Schwiegervater spielt gern freie Partien

und ich bin von Beginn an chancenlos, obwohl er keine Ahnung vom Schachspielen hat.

Er ist passionierter Billardspieler . (Die Freie Partie ist die Grunddisziplin von Carambole-Billard. Hier gilt die Grundregel, wonach eine Carambolage dann erzielt ist, wenn der Spielball die beiden anderen Bälle berührt, ohne Einschränkungen).

Morgen reist er wieder an – wie jedes Jahr – um die Team-Weltmeisterschaft im Dreiband-Billard in Viersen zu verfolgen.

Wir unterhalten uns gern über unsere Randsportpassionen und  sind immer wieder überrascht, wie viele Parallelen sich bei genauerer Betrachtung ergeben. Im Jahre 2004 bin ich dann – neugierig geworden – mitgefahren, um die Billardatmosphäre hautnah mitzuerleben. Natürlich verglich ich schon beim Entree den Turniersaal mit der mir vertrauten Schachkulisse. Und ich wurde direkt stutzig: Wohlige Musik rieselte durch die vollbesetzte Halle, die tatsächlich weiterlief, während die Matches begannen. Unten die schweigenden, sich konzentrierenden Meister, oben auf den Rängen die gebannten Zuschauer, die sich tatsächlich ( wenn auch leise) unterhalten konnten. Keine Konzertbesuchpeinlichkeitsatmosphäre beim Aufreißen einer Cola-Dose oder ähnlichen „Störgeräuschen“, stattdessen eine zwanglose Konzentriertheit, die sich bei gelungenen Stößen durch „begeistertes“,unaufdringliches Fingerschnippsen entlud. So konnte ich den Erklärungen meines Schwiegervaters aufmerksam folgen, ohne dass irgendein Spieler sein  obligatorisches

 „R U H Ä !!“ oder ( bei schlechter Stellung) 

„ S C H N A U Z E !! „ durch den Saal brüllte.

Ich fühlte mich wohl.Auffallend auch die „kultivierte“ Kleidung der Spieler ( sorry, ich werde alt) und die Ästhetik der Bewegungen, die durch äußerste Selbstdisziplin und Konzentriertheit geschaffen wurden. Auch nach offensichtlichen „Patzern“ begab sich der Spieler mit „Stil“ zu seinem Sessel, um sich die Bemühungen seines Kontrahenten (neidlos?!) anzuschauen.

„Ein ehrlicher, charakterfordernder Sport“ , dachte ich so bei mir , als ich mir die aktuelle Situation im Spitzenschach (Doping, elektronische Hilfen,Danailov-Scharaden etc) vor Augen führte. Kein „Kiebitz“ konnte hier helfen, auch lautes „Vorsagen“ wäre lächerlich . Beneidenswert. Mein Schwiegervater neigte sich plötzlich zu mir:“ Im Fernsehen gibt es nur noch Pool-Billard, sprich Snooker. Die hohe Kunst DREIBAND-BILLARD ist aus dem Fernsehen verschwunden.“ Sein Gesicht klagend, die Augen zur Festhallendecke gerichtet.

Schon denke ich an „Schach im Fernsehen“ (Pfleger,Hort,Frau Krämer) und zucke zustimmend die Schultern.

Wir fahren zu uns, er fachsimpelt, ich frage und plötzlich fällt mir das vermaledeite SCHACHBOXEN ein, das weltweit für Schlagzeilen sorgte.Da wirft sich eine Randsportart   an die mediengeile Boxerbrust, um sich  – würdelos – ein Sonnenplätzchen zu ergattern. Verkauft wird die ganze Chose als sensationelle Verknüpfung von Geistes – und Körperkraft.Der Gegensatz von feinsiniger Geistesarbeit und grober Fressenpoliererei kommt beim Publikum (natürlich) hervorragend an.

Mein bescheidener Vorschlag: Bleibt auf dem (schallschluckenden) Teppich! Übernehmt die wohltuende Hintergrundmusik von den Billardfreunden. Es gibt viele Parallelen zwischen den beiden Randsportarten.

Einstein says:Billard ist die hohe Kunst des Vorausdenkens. Es ist nicht nur ein Spiel, sondern in erster Linie eine anspruchsvolle Sportart, die neben physischer Kondition, das logische Denken eines Schachspielers und die ruhige Hand eines Konzertpianisten erfordert.

oder: Raymond Ceulemans(erfolgreichster Billardspieler aller Zeiten) "Karambolage ist Schach auf dem Billardtisch"

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Bürgermeisterliches Schach

So lautet die Überschrift eines Kapitels aus einem 1967 erschienenen Büchlein („Lächeln überm Schachbrett“ ) von Martin – Beheim Schwarzbach, der als Autor von „Knaurs Schachbuch“ einen bekannten Schachklassiker schuf.

Ich stieß auf dieses „Lächeln“ eher zufällig, als ich bei einer spontanen Privatinventur in meinem Wohn-(Schach)Zimmer die (Schach)Bücherwand unsystematisch durchfingerte und plötzlich auf einen „Fremdling“ stieß.Ich klappte ihn auf und entdeckte eine Widmung:“ Zur Erinnerung an das Blitzturnier mit Robert Hübner und Raymond Keene.Essen-Katernberg 15.12.1967″ –

Da wäre ich gern dabei gewesen,dachte ich so bei mir, doch potzblitz, mit der Stadt Essen verbinde ich andere Schacherinnerungen. Also blättere ich etwas verlegen weiter, vertiefe und versenke mich allmählich immer intensiver in diese höchst amüsante Lektüre, wobei die illustrierenden Zeichnungen von Erich Grandeit das zu schnelle Weiterlesen charmant verhindern…

Möge der geneigte Leser folgende Kostprobe genießen:

„Bei einem Schachturnier im Münsterland passierte folgende erbauliche Geschichte:

Erwartungsvolle Stille im Saal, wo die Spieler an den langen Tischen einander gegenübersitzen: gleich wird der Bürgermeister mit dem ersten Zug am ersten Brett das Turnier um die Meistesrschaft symbolisch eröffnen. Die beiden Spieler am Brett Nummer 1 haben eingewilligt, sich dem ersten Zuge des Stadtoberhauptes zu fügen.

Die Fotografen stehen bereit.

Der Mann des öffentlichen Lebens begibt sich ans Brett Nr.1 und hält eine kurze, launige Ansprache:“Ich habe zwar lange nicht mehr gespielt, es war in der Kriegsgefangenschaft, das königliche Spiel ist ja der klassische Zeitvertreib der Gefangenen, ich bin also nur, was man einen Laien nennt, jedenfalls auf diesem Gebiet, aber den ersten Zug bringe ich schon noch fertig.“ Sprachs und zog.

Alle schauten gebannt aufs Brett: Bauer c7 – c6 !

Verblüffung ringsum. Der Turnierleiter flüstert ehrerbietig:“ Schwarz fängt nie an, sondern Weiß!“ — „Ah, richtig, Weiß fängt an, natürlich, wie konnte ich nur!“ Die Bürgermeisterhand wandert zur anderen Bretthälfte hin und zieht:

“ Bauer e2 – d3 !“

Sprachlose Gesichter.Zum Glück war auf den vielen Fotos, die die Bildreporter schossen, nichts von dem originellen Eröffnungszug zu sehen.“

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Unzurechnungsfähigkeit beim Schach

Im Schatten der Weltmeisterschaft in Mexiko begann die neue Saison der Verbandsliga-Niederrhein. Nach meinem Vereinswechsel war ich darauf erpicht, meinen neuen Mannschaftskollegen zu beweisen, dass ich wirklich eine echte „Verstärkung“ bin.

Ein Auftsteiger aus der Verbandsklasse – zudem stark ersatzgeschwächt – trudelte verspätet in unser Vereinsheim. Ich hatte mir in der langen Dürreperiode ein neues Eröffnungssystem als Schwarzer zurechtgelegt und brannte darauf, dies nun erstmals in praxi anwenden zu können. Mein junger Gegner eröffnete mit 1.e4 und ich antwortete – zu meiner eigenen Überraschung – mit 1…c6. Ein alter Reflex war mir aus dem Ärmel gerutscht, und schon kriselte es in mir. Also ein wenig Caro-Kann, dann Abmarsch in die Moderne Verteidigung, und schon trottete ich auf (halbwegs) bekannten Wegen. Zu meiner Freude vermied mein Gegner jegliche Exkursionen in gefährliche Gebiete, sondern hielt sich brav zurück. Zeit für eine Kaffeepause und einen genüßlichen Blick auf die entstandene Landschaft: Stellung nach:

1. e4 c6 2. d4 g6 3. Nc3 Bg7 4. Nf3 d6 5. h3 Nd7 6. Bc4 e6 7. Be3 d5 8. Bb3 Ndf6 9. Qd3 Ne7 10. O-O-O b5 11. e5 Nd7 12. Ne2 Nb6 13. g4 a5 14. a3 Ba6 15. Qd2  Weiterlesen

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Es ist ein Meister vom Himmel gefallen

Letzten Sonntag.Dachterrasse.Ich liege auf meiner Liege

und sonne mich in der Sonne.

Am niveaballblauen Himmel schweben – wie oft am Wochenende –

kleine Farbtupfer, die pendelnd und kreisend langsam

nach unten sinken und schließlich dem Blickfeld

entschwinden.

Ich genieße diese kontemplativen Himmelsszenen, die der

benachbarte Segelflugplatz regelmäßig bietet auch wegen

der dramatischen  Unterbrechungen, dem Geknatter der sich

öffnenden Schirme und vor allem – wegen der mannigfaltigen

(Lust-)Schreie der Jungfernflieger, die auf die Besonderheit

ihrer Situation hinzuweisen scheinen.

Ich stelle mir leibhaftig vor, wie es sich anfühlen mag,

wenn jemand wie ich z.B. in der geöffneten Flugzeugtür

sitzt und aus 4000 m Höhe nach unten starrt und in selbiger

Sekunde hinausgeschubst wird…

Ich schaute zurück in mein Buch, das ich schon zum

zweiten Mal genießen  wollte ("Nachtzug nach Lissabon")

und merkte plötzlich, wie das Thema des "Nicht gelebten

Lebens", das den Protagonisten nach Lissabon treibt,

kristallklar, knatternd und schreiend über meinen

Augen inszeniert wurde.

Die Vorstellung, das Schachspielen durch eine andere

Passion ersetzen zu können, waberte schon länger

in   meinem Hirn, zumindest die Vision, die kostbare

Freizeit nicht so intensiv mit dieser verdammten Droge zu

verplempern. Ich schaute genauer hin:

Im Turnierschach kein wirklicher Fortschritt               

Krach mit dem alten Verein,

Unmengen  von Internetblitzpartien, die ich verloren habe,

oder  aber gewonnen habe, – um mir dann unflätige

Beschimpfungen anzuhören…

Da hilft wahrscheinlich nur der kalte Entzug!

 

  – So habe ich die letzten Tage

schachfrei  genossen, kein Blitzen , kein Sitzen, …

Und dann erhielt ich eine mail, in der mir ein alter

Schachfreund mitteilte, dass er am Sonntag in meinem Ort

war, jedoch keine Zeit hatte, bei mir vorbeizuschauen,

da er auf dem Flugplatz einen Termin hatte…

 Ich drängte ihn, mir

einen detaillierten Bericht zu schicken, wohl wissend, dass

er großartig erzählen kann und  somit meinen blog für

diesen Monat retten kann. (Mir fiel wegen der Sinnkrise

wirklich nichts mehr ein).

Da er im Jahre 2006 VERBANDS – MEISTER

des INDUSTRIEGEBIETS wurde, war auch die Frage

nach der Überschrift zu diesem Bericht schnell

geklärt.

 

Danke ULF!!

 Ulfs Bericht:

Frühjahr 2006: Beschluss mit besagter Freundin des Projektes Fallschirmsprung – natürlich in einer Bierlaune.
Herbst 2006: nach monatelangem Festhaltem an dem Beschluss (jeweils in Bierlaunen) ohne Konkretisierung gibt es aufgrund des Wetters keinerlei Möglichkeit mehr zu springen.
Frühjahr 2007: besagte Freundin kümmert sich. Eine gemeinsame terminfindung gestaltet sich ziemlich schwierig, zudem ist der Flugplatz "in der Nähe von Neuss" Wochen im Voraus ausgebucht. Als Termin springt letztlich der 15.7., 18 Uhr, heraus.
15.7., 16:30 Anruf am Flugplatz, ob der Sprung statt findet. Wegen einer angesagten Gewitterfront aus Westen wurden die Chancen auf 50-50 geschätzt, wobei der Rest des Abends absolut sonnig blieb.

16:45: Abfahrt in Düsseldorf, es fährt ihr durch einen Bandscheibenvorfall nicht springfähiger Lebensabschnittsgefährte und hatte seine Kamera am Start, mit der er diverse Megabytes Fotos anfertigte.
17:30 – Ankunft Flugplatz, wir werden darauf hingewiesen, dass ohne Barzahlung kein Sprung statt findet.
17:45 – Ankunft Sparkasse, Grefrath City, um diesen Missstand zu beheben.
18:00 – Wiederankunft Flugplatz. Der 18Uhr-Sprung ist gerade abgeflogen, wir werden zwei Sprünge später um 19 Uhr eingeplant.
18:05 – Sitzen in der Flugplatz-Gaststätte und Verfolgen des bunten Treibens der Eingeborenen. Es kommt erschwerend hinzu, dass das angedachte Bier nicht statt finden darf, weil man bereits einen Schrieb signierte, bei dem man angab, diverse Krankheiten wie Organstörungen, Rückenprobleme, psychische Unregelmäßigkeiten und vieles mehr nicht zu haben, sowie innerhalb der letzten 12 Stunden keinerlei Drogen- oder Alkoholkonsum betrieben zu haben. Dumm gelaufen.
18:10 – ich bemerke einen perversen Hunger, da ich zu jedem Zeitpunkt an diesem Tag noch keinerlei Nahrung in mich schaufelte. Ich wollte nichts drin haben, das eventuell unfreiwillig wieder raus will…
18:45 – wir werden endlich aufgerufen und lernen unsere Sprungpartner kennen. Es handelte sich nämlich um Tandemsprünge, einzeln darf man erst springen, nachdem man diverse Kurse und eine gewisse Anzahl an Tandemsprüngen absolviert hat. Mein Sprungpartner ist ein Niederländer, aber da ich im Gegensatz zu anderen unseren westlichen Nachbarn eine gewisse Sympathie abgewinnen kann (natürlich nur, solange es nicht um Fussball geht, das versteht sich von selbst!), ist das kein Problem.
18:50 – kurze Einweisung anhand von Bildern und Erklärungen: auf keinen Fall beim Sprung am Flugzeug irgendwo festhalten, Hohlkreuz bilden und geniessen. Nach Öffnen des Schirms die Gurte an den Leisten ein wenig lockern, sodass man fast wie in einer Schaukel sitzt. Wieder geniessen. Bei der Landung Hände ich die Kniekehle, Füße hoch und mit dem Allerwertesten zuerst den Bodenkontakt vollziehen – fast analog zu dem, wie man es beim Weitsprung lernte.
18:55 – der unangenehmste Teil des Projekts. Man wird in einen schicken, schwarzen Fliegeranzug gesteckt und mit zig Gurten versehen. Bei den herrschenden Temperaturen durchaus kein Zuckerschlecken.
19:00 – die winzige Maschine rollt an, es passen so gerade eben der Pilot sowie drei Sprungpaare (Springerpaare) rein, die allesamt verrenkt auf dem Boden sitzen dürfen. Das dritte Paar enthielt als Novizin im Übrigen eine Frau, die durchaus mehr Lebensjahre auf dem Buckel hat als der Schachneurotiker.
19:05 – wir sind in der Luft und der Niederländer zeigt mir die Sehenswürdigkeiten – den Borussiapark in Mönchengladbach, die A61, die Maas, Venlo, Roermond und sagt dann auf 1500m Höhe, dass er ungefähr hier die Reissleine ziehen wird.
19:10 – ich werde angehalten, die Kappe samt Schutzbrille aufzuziehen und höre zig Geklicke von den Karabinerhaken, die bis zu zweieinhalb Tonnen halten sollen, nachdem ich mich auf den Schoss meines Sprungpartners setzen durfte. Sämtliche Gurte wurden ziemlich fest angezogen, ich kam mir schon etwas wurstig vor.
19:15 – der Flieger ist bei 3900m, das heruntergelasse Rollo, das die Tür des Fliegers ersetzte, wurde hochgemacht und das direkt davorsitzende Paar mit der älteren Frau war entschwunden. Zum selben Zeitpunkt machte ich mir Gedanken darüber, dass eigentlich Nervösität vorherrschen sollte, das solche aber nicht statt fand. Das machte mich irgendwie schon nervös.
19:16 – wir robbten zur Tür, saßen kurz auf der Kante, ich ging ins Hohlkreuz und plötzlich wurde uns der Boden unterm Arsch weggezogen. Ein absolut irres Gefühl, das sich nur schwerlich final beschreiben lässt und man einfach erlebt haben muss. Mit keinerlei Achterbahn oder Sonstigem zu vergleichen. Gigantische Kräfte wirken auf einen bei knapp 200km/h ein und es herrscht ein Gefühl unendlicher Freiheit vor. Wohlwissend, dass sie limitiert ist. Einer meiner ersten Gedanken in der Luft war die Frage, welcher Mensch wohl als erstes auf die Idee gekommen ist, aus einem Flugzeug zu springen (Wikipedia gibt Aufschluss, wie ich mittlerweile weiss). Interessant ist es wohl, dass die weit unten liegende Erde trotz der Geschwindigkeit gar nicht näher zu kommen schien, obwohl sie mehrere Kilometer näher kam.
19:16:41 – mein Sprungpartner zieht die Reissleine, der Schirm öffnet sich, ohne den vermuteten extremen Ruck, sondern eher relativ geschmeidig. Zu meiner Überraschung erkannte ich sofort den Flugplatz unter uns und machte mich daran, die Gurte an den Leisten zu regulieren, um etwas bequemer "sitzen" zu können. Die Gleitphase als solche ist sehr angenehm, allerdings auch vergleichsweise unspektakulär. Mein Sprungpartner steuerte den Schirm sehr gewieft, sodass wir noch ein wenig hin und her schwangen und mehrfach die Richtung wechselten, während die Erde jetzt trotz der deutlich geringeren Geschwindigkeit relativ schnell auf uns zu kam.
19:20 – wenige Meter vor dem Boden schienen wir deutlich langsamer zu werden und ich tat alles für die Arschlandung, so wie mir geheissen. Zu meiner Überraschung schrie mein Partner dann "Fußlandung! Tu die Füße zuerst auf den Boden" und ich tat das automatisch und stand dann mit beiden Füßen fest auf dem Boden, ohne umzukippen, gar ohne Schwankung oder Ausfallschritt. Der wurde erst nötig, als der Schirm hinter uns aufkam, der zog ein wenig nach hinten, sodass man das ausgleichen musste. Die Landung war also extrem entspannt und unglaublich einfach. Danach wurde alles abgeschnallt, ich quetschte mich aus meiner zweiten Haut und gesellte mich zu unserem Fotographen, der dankenswerterweise bereits drei Weizen orderte. Ein Weizen, wie noch keins zuvor geschmeckt hat.
03:00 – ich liege trotz großer Gesamtmüdigkeit seit Stunden im Bett und kann nicht schlafen, weil ich immer noch total aufgewühlt bin.

 

Nicht ganz unerwähnt lassen sollte man vielleicht die Tatsache, dass ich eigentlich durchaus unter Höhenangst leide. Von jedem Geländer, das mir nicht mindestens zur Schulter geht, halte ich mindestens einen Meter Abstand, selbst wenn es sich nur um den ersten Stock handelt. Angst spielte sich aber während des gesamten Projektes nicht ab – vor dem während des Weizengenusses umherspringenden Hund hatte ich mehr Angst…

Fazit: ich kann jeden Menschen verstehen, für den ein solcher Sprung grundsätzlich nicht in Frage kommt. Allen anderen kann ich aber nur dringstens empfehlen, es einmal zu tun. Ein irres Gefühl, das ich nicht missen möchte. Ich bin mir auch vergleichsweise sicher, dass das nicht mein letzter Sprung war

 

 

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Mit Läuferpaaren spreche ich nicht

Gehören Sie auch zu den strategisch-geschulten Sportsfreunden, die am Rande eines Turniers auf die Frage, ob Sie bald dem unvermeidlichen Remis zustimmen werden, entrüstet hochfahren:“ Wieso, ich habe doch das LÄUFERPAAR!!“  Schwer haben es in der Regel die kauzigen Gesellen, die sich gern das SPRINGERPAAR „andrehen“ lassen. Ich gebe zu, dass ich ebenfalls die Gäule ins Herz geschlossen habe und oft angestrengt bemüht bin, mein (Schach-) Feld so zu beackern, dass sie sich wohlfühlen können

Außerdem bin ich davon überzeugt, dass Springer vom Charakter her ein großes Humorpotenzial in sich bergen.(Ist nicht das „erstickte Matt“ die Höchstform einer Schachkomödie? – oder das Mattsetzen mit König und einem Springer gegen König plus Randbauer?) .

Das hochgelobte Läuferpaar kann sich (im Unterschied zum Springerpaar) nicht gegenseitig decken. Boris Spasski sagte nach seiner ersten gescheiterten Ehe: “ Meine Frau und ich, wir waren wie zwei ungleiche Läufer…“

Wenn ich meine Lieblingspartien aus der Meisterpraxis sichte, dann stelle ich fest, dass sehr oft regelrechte Springereskapaden die Würze für meine Bewunderung lieferten.

Ein seltener Glücksfall ereignete sich in folgender Partie,die die Kiebitze in stille Heiterkeit versetzte und auch dem Unterlegenen schließlich ein amüsiertes Schmunzeln abrang.

Weiß: E.Bogoljubow           Schwarz: L.Schmid

Deutsche Schachmeisterschaft Bad Pyrmont 1949

(Anmerkungen sinngemäß zitiert aus dem Buch“Die besten Partien deutscher Schachgroßmeister“, Falken Verlag,1983).

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Sc3 Sf6 4.d4 exd4 5.Sxd4 Der junge Lothar Schmid hatte tags zuvor beim Frühstück von Meister Heinicke eine Anregung aus Hamburger Schachkreisen aufgeschnappt, die ungewöhnlich und frech – und auch irgendwie spielbar erschien


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Schach dem Diktator – Pedros Rettungsidee

Vor einigen Tagen fiel mir das Kinderbuch „Der Aufsatz“ von Antonio Skarmeta in die Hände, das  mit dem „Unesco-Preis für Kinderliteratur im Dienst der Toleranz“ und auch mit dem „Gustav-Heinemann-Friedenspreis“ ausgezeichnet wurde. Obwohl ich dieses schmale Werk schon mehrmals (hintereinander) gelesen habe, kann ich es nicht aus der Hand legen. Allein die sehr plastischen Illustrationen von Jacky Gleich verdienen ausgiebige Betrachtung.

„Der Aufsatz“ ist ein sehr politisches Buch , das der chilenische Autor, den viele Leser hauptsächlich durch sein Werk „Mit brennender Geduld“ (als Film „il postino“) kennen, in Erinnerung an die Militärdiktatur  geschrieben hat.

Held der spannenden Erzählung ist der 9-jährige Pedro, der ein sehr normales Leben zwischen Schule,Eltérnhaus und vor allem Fußball verbringt. Er ist klein,aber auch schlau und hat eine sehr wache Beobachtungsgabe. So ist ihm aufgefallen, dass seine Eltern abends häufig vor dem Radio sitzen und aufmerksam zuhören, um „interessante Dinge über uns und unser Land“ zu erfahren, so sagen sie es ihm.

Einige Wochen später, als er wieder in einem Straßenfußballmatch seine gefürchteten Dribblings zelebriert und auch noch ein Tor schießt, will sich nicht der gewohnte Jubel seiner Freunde einstellen. Alle Beteiligten sind wie gelähmt,als der Vater eines Fußballfreundes von Militärs abgeführt wird.“Warum haben sie ihn mitgenommen?“,fragt Pedro seinen Freund.“Mein Papa ist gegen die Diktatur“, sagt dieser leise..

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Mit 14 hat man noch Träume…

Kürzlich durfte ich im Rahmen einer Offenen Stadtmeisterschaft gegen ein Jungtalent antreten, das ganze 14 Jahre jung ist und schon nach wenigen Turnieren eine DWZ von ca 1760 aufweist. Jeder „Altmeister“ weiß, wie undankbar und vor allem DWZ-schädlich eine solche Konfrontation ausgehen kann, da diese Talente in der Regel ihrer „echten“ Wertungszahl hinterherhinken. Ich selbst hatte in dem zarten Alter mit dem Schachspielen begonnen, indem ich mich mit „Das kleine Buch vom Schach“ täglich in mein Zimmer zurückzog, und auf einem kargen Schachbrettchen ein mühevolles Selbststudium in die Wege leitete. Die harten Worte meines Vaters“ Schach ist viel zu schwer für dich!!“ trieben mich in diese akademische Enge. Heute – nach 40 Jahren Schachpraxis – neige ich dazu, ihm Recht zu geben.

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Das Drama des unbegabten Schachlehrers

Seit einigen Wochen schlich ich um die Einlösung eines vermaledeiten Versprechens herum: Meine Schwägerin hatte mir im Rahmen einer Großfamilienzusammenführung (Mutters 79.Geburtstag) stolz berichtet, daß ihr Jüngster (7) angefangen habe, S C H A C H  zu spielen und auch die S C H A C H  AG der hiesigen Grundschule fleißig besuche. Sie bat mich , doch mal in Kürze gegen den Kleinen eine Partie zu spielen. Er würde sich sehr darauf freuen, und sie habe ihm auch fest versprochen., dass ich dies gerne machen würde…Ich hatte vage – verlegen lächelnd – zugestimmt, da ich dies als meine Onkelpflicht erachtete. " Ja, ja, wenn ich mal Zeit habe, gerne, na klar, das freut mich sehr, dass der Kleine tatsächlich Schach lernen will, da kann ich ihm vielleicht ein wenig helfen"… usw. Und ich fügte mit kräftiger Betonung hinzu:" Das Wichtigste beim Schach ist, dass man das Verlieren lernt!!"  – Damit hatte ich – eher unbewußt – einen Kontrapunkt zu der immens verwöhnenden Erziehungspraxis des Neffenhaushalts markiert.

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Viktor Kortschnoi und das Fußvolk in Neuß

Im Jahre 1978 war Baguio City auf den Philippinen Schauplatz des denkwürdigen WM-Spektakels zwischen Karpow und Kortschnoi.Wenn auch die meisten Beobachter erstaunt waren, dass „Viktor der Schreckliche“ einen kompletten Fehlstart mit 1:4 Punkten fabrizierte, so wunderte ich mich nicht im Geringsten …

Etwa 6 Wochen vor Beginn des Kampfes weilte Kortschnoi in Neuß, wo er eine Simultanveranstaltung  gab (ebenso wie R.Hübner und Bodo Schmidt). Am Meererhof unter freiem sonnigen Himmel erwartete ein bunt -gemischtes Amateurlager gespannt den WM – Herausforderer. der durch seine Abkehr vom Sovietsystem natürlich  der „ideale“ Gegner für den regimetreuen Breschnewliebling Karpow darstellte.

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Curacao 1962 – Als Gegner noch Feinde waren…

Neulich besuchte ich mal wieder meinen getreuen Schachhändler, um einige Lustkäufe in Sachen Schachliteratur zu ermöglichen. Mir fiel dabei das Buch von Jan Timman "Curacao 1962 – The Battle of Minds that Shook the Chess World" in die Hände, dessen Titelfoto mich allein schon zum Kauf nötigte: Es zeigt Bobby Fischer und Tigran Petrosjan, die offensichtlich schon vor Beginn der Partie einige Unhöflichkeiten austauschen: Bobby in der Manier eines jungen Angebers grüßt seinen Antipoden wie einen Untergebenen , der gnädigerweise in seiner "Firma" arbeiten darf.

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