Es ist ein Meister vom Himmel gefallen

Letzten Sonntag.Dachterrasse.Ich liege auf meiner Liege

und sonne mich in der Sonne.

Am niveaballblauen Himmel schweben – wie oft am Wochenende –

kleine Farbtupfer, die pendelnd und kreisend langsam

nach unten sinken und schließlich dem Blickfeld

entschwinden.

Ich genieße diese kontemplativen Himmelsszenen, die der

benachbarte Segelflugplatz regelmäßig bietet auch wegen

der dramatischen  Unterbrechungen, dem Geknatter der sich

öffnenden Schirme und vor allem – wegen der mannigfaltigen

(Lust-)Schreie der Jungfernflieger, die auf die Besonderheit

ihrer Situation hinzuweisen scheinen.

Ich stelle mir leibhaftig vor, wie es sich anfühlen mag,

wenn jemand wie ich z.B. in der geöffneten Flugzeugtür

sitzt und aus 4000 m Höhe nach unten starrt und in selbiger

Sekunde hinausgeschubst wird…

Ich schaute zurück in mein Buch, das ich schon zum

zweiten Mal genießen  wollte ("Nachtzug nach Lissabon")

und merkte plötzlich, wie das Thema des "Nicht gelebten

Lebens", das den Protagonisten nach Lissabon treibt,

kristallklar, knatternd und schreiend über meinen

Augen inszeniert wurde.

Die Vorstellung, das Schachspielen durch eine andere

Passion ersetzen zu können, waberte schon länger

in   meinem Hirn, zumindest die Vision, die kostbare

Freizeit nicht so intensiv mit dieser verdammten Droge zu

verplempern. Ich schaute genauer hin:

Im Turnierschach kein wirklicher Fortschritt               

Krach mit dem alten Verein,

Unmengen  von Internetblitzpartien, die ich verloren habe,

oder  aber gewonnen habe, – um mir dann unflätige

Beschimpfungen anzuhören…

Da hilft wahrscheinlich nur der kalte Entzug!

 

  – So habe ich die letzten Tage

schachfrei  genossen, kein Blitzen , kein Sitzen, …

Und dann erhielt ich eine mail, in der mir ein alter

Schachfreund mitteilte, dass er am Sonntag in meinem Ort

war, jedoch keine Zeit hatte, bei mir vorbeizuschauen,

da er auf dem Flugplatz einen Termin hatte…

 Ich drängte ihn, mir

einen detaillierten Bericht zu schicken, wohl wissend, dass

er großartig erzählen kann und  somit meinen blog für

diesen Monat retten kann. (Mir fiel wegen der Sinnkrise

wirklich nichts mehr ein).

Da er im Jahre 2006 VERBANDS – MEISTER

des INDUSTRIEGEBIETS wurde, war auch die Frage

nach der Überschrift zu diesem Bericht schnell

geklärt.

 

Danke ULF!!

 Ulfs Bericht:

Frühjahr 2006: Beschluss mit besagter Freundin des Projektes Fallschirmsprung – natürlich in einer Bierlaune.
Herbst 2006: nach monatelangem Festhaltem an dem Beschluss (jeweils in Bierlaunen) ohne Konkretisierung gibt es aufgrund des Wetters keinerlei Möglichkeit mehr zu springen.
Frühjahr 2007: besagte Freundin kümmert sich. Eine gemeinsame terminfindung gestaltet sich ziemlich schwierig, zudem ist der Flugplatz "in der Nähe von Neuss" Wochen im Voraus ausgebucht. Als Termin springt letztlich der 15.7., 18 Uhr, heraus.
15.7., 16:30 Anruf am Flugplatz, ob der Sprung statt findet. Wegen einer angesagten Gewitterfront aus Westen wurden die Chancen auf 50-50 geschätzt, wobei der Rest des Abends absolut sonnig blieb.

16:45: Abfahrt in Düsseldorf, es fährt ihr durch einen Bandscheibenvorfall nicht springfähiger Lebensabschnittsgefährte und hatte seine Kamera am Start, mit der er diverse Megabytes Fotos anfertigte.
17:30 – Ankunft Flugplatz, wir werden darauf hingewiesen, dass ohne Barzahlung kein Sprung statt findet.
17:45 – Ankunft Sparkasse, Grefrath City, um diesen Missstand zu beheben.
18:00 – Wiederankunft Flugplatz. Der 18Uhr-Sprung ist gerade abgeflogen, wir werden zwei Sprünge später um 19 Uhr eingeplant.
18:05 – Sitzen in der Flugplatz-Gaststätte und Verfolgen des bunten Treibens der Eingeborenen. Es kommt erschwerend hinzu, dass das angedachte Bier nicht statt finden darf, weil man bereits einen Schrieb signierte, bei dem man angab, diverse Krankheiten wie Organstörungen, Rückenprobleme, psychische Unregelmäßigkeiten und vieles mehr nicht zu haben, sowie innerhalb der letzten 12 Stunden keinerlei Drogen- oder Alkoholkonsum betrieben zu haben. Dumm gelaufen.
18:10 – ich bemerke einen perversen Hunger, da ich zu jedem Zeitpunkt an diesem Tag noch keinerlei Nahrung in mich schaufelte. Ich wollte nichts drin haben, das eventuell unfreiwillig wieder raus will…
18:45 – wir werden endlich aufgerufen und lernen unsere Sprungpartner kennen. Es handelte sich nämlich um Tandemsprünge, einzeln darf man erst springen, nachdem man diverse Kurse und eine gewisse Anzahl an Tandemsprüngen absolviert hat. Mein Sprungpartner ist ein Niederländer, aber da ich im Gegensatz zu anderen unseren westlichen Nachbarn eine gewisse Sympathie abgewinnen kann (natürlich nur, solange es nicht um Fussball geht, das versteht sich von selbst!), ist das kein Problem.
18:50 – kurze Einweisung anhand von Bildern und Erklärungen: auf keinen Fall beim Sprung am Flugzeug irgendwo festhalten, Hohlkreuz bilden und geniessen. Nach Öffnen des Schirms die Gurte an den Leisten ein wenig lockern, sodass man fast wie in einer Schaukel sitzt. Wieder geniessen. Bei der Landung Hände ich die Kniekehle, Füße hoch und mit dem Allerwertesten zuerst den Bodenkontakt vollziehen – fast analog zu dem, wie man es beim Weitsprung lernte.
18:55 – der unangenehmste Teil des Projekts. Man wird in einen schicken, schwarzen Fliegeranzug gesteckt und mit zig Gurten versehen. Bei den herrschenden Temperaturen durchaus kein Zuckerschlecken.
19:00 – die winzige Maschine rollt an, es passen so gerade eben der Pilot sowie drei Sprungpaare (Springerpaare) rein, die allesamt verrenkt auf dem Boden sitzen dürfen. Das dritte Paar enthielt als Novizin im Übrigen eine Frau, die durchaus mehr Lebensjahre auf dem Buckel hat als der Schachneurotiker.
19:05 – wir sind in der Luft und der Niederländer zeigt mir die Sehenswürdigkeiten – den Borussiapark in Mönchengladbach, die A61, die Maas, Venlo, Roermond und sagt dann auf 1500m Höhe, dass er ungefähr hier die Reissleine ziehen wird.
19:10 – ich werde angehalten, die Kappe samt Schutzbrille aufzuziehen und höre zig Geklicke von den Karabinerhaken, die bis zu zweieinhalb Tonnen halten sollen, nachdem ich mich auf den Schoss meines Sprungpartners setzen durfte. Sämtliche Gurte wurden ziemlich fest angezogen, ich kam mir schon etwas wurstig vor.
19:15 – der Flieger ist bei 3900m, das heruntergelasse Rollo, das die Tür des Fliegers ersetzte, wurde hochgemacht und das direkt davorsitzende Paar mit der älteren Frau war entschwunden. Zum selben Zeitpunkt machte ich mir Gedanken darüber, dass eigentlich Nervösität vorherrschen sollte, das solche aber nicht statt fand. Das machte mich irgendwie schon nervös.
19:16 – wir robbten zur Tür, saßen kurz auf der Kante, ich ging ins Hohlkreuz und plötzlich wurde uns der Boden unterm Arsch weggezogen. Ein absolut irres Gefühl, das sich nur schwerlich final beschreiben lässt und man einfach erlebt haben muss. Mit keinerlei Achterbahn oder Sonstigem zu vergleichen. Gigantische Kräfte wirken auf einen bei knapp 200km/h ein und es herrscht ein Gefühl unendlicher Freiheit vor. Wohlwissend, dass sie limitiert ist. Einer meiner ersten Gedanken in der Luft war die Frage, welcher Mensch wohl als erstes auf die Idee gekommen ist, aus einem Flugzeug zu springen (Wikipedia gibt Aufschluss, wie ich mittlerweile weiss). Interessant ist es wohl, dass die weit unten liegende Erde trotz der Geschwindigkeit gar nicht näher zu kommen schien, obwohl sie mehrere Kilometer näher kam.
19:16:41 – mein Sprungpartner zieht die Reissleine, der Schirm öffnet sich, ohne den vermuteten extremen Ruck, sondern eher relativ geschmeidig. Zu meiner Überraschung erkannte ich sofort den Flugplatz unter uns und machte mich daran, die Gurte an den Leisten zu regulieren, um etwas bequemer "sitzen" zu können. Die Gleitphase als solche ist sehr angenehm, allerdings auch vergleichsweise unspektakulär. Mein Sprungpartner steuerte den Schirm sehr gewieft, sodass wir noch ein wenig hin und her schwangen und mehrfach die Richtung wechselten, während die Erde jetzt trotz der deutlich geringeren Geschwindigkeit relativ schnell auf uns zu kam.
19:20 – wenige Meter vor dem Boden schienen wir deutlich langsamer zu werden und ich tat alles für die Arschlandung, so wie mir geheissen. Zu meiner Überraschung schrie mein Partner dann "Fußlandung! Tu die Füße zuerst auf den Boden" und ich tat das automatisch und stand dann mit beiden Füßen fest auf dem Boden, ohne umzukippen, gar ohne Schwankung oder Ausfallschritt. Der wurde erst nötig, als der Schirm hinter uns aufkam, der zog ein wenig nach hinten, sodass man das ausgleichen musste. Die Landung war also extrem entspannt und unglaublich einfach. Danach wurde alles abgeschnallt, ich quetschte mich aus meiner zweiten Haut und gesellte mich zu unserem Fotographen, der dankenswerterweise bereits drei Weizen orderte. Ein Weizen, wie noch keins zuvor geschmeckt hat.
03:00 – ich liege trotz großer Gesamtmüdigkeit seit Stunden im Bett und kann nicht schlafen, weil ich immer noch total aufgewühlt bin.

 

Nicht ganz unerwähnt lassen sollte man vielleicht die Tatsache, dass ich eigentlich durchaus unter Höhenangst leide. Von jedem Geländer, das mir nicht mindestens zur Schulter geht, halte ich mindestens einen Meter Abstand, selbst wenn es sich nur um den ersten Stock handelt. Angst spielte sich aber während des gesamten Projektes nicht ab – vor dem während des Weizengenusses umherspringenden Hund hatte ich mehr Angst…

Fazit: ich kann jeden Menschen verstehen, für den ein solcher Sprung grundsätzlich nicht in Frage kommt. Allen anderen kann ich aber nur dringstens empfehlen, es einmal zu tun. Ein irres Gefühl, das ich nicht missen möchte. Ich bin mir auch vergleichsweise sicher, dass das nicht mein letzter Sprung war

 

 

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Mit Läuferpaaren spreche ich nicht

Gehören Sie auch zu den strategisch-geschulten Sportsfreunden, die am Rande eines Turniers auf die Frage, ob Sie bald dem unvermeidlichen Remis zustimmen werden, entrüstet hochfahren:“ Wieso, ich habe doch das LÄUFERPAAR!!“  Schwer haben es in der Regel die kauzigen Gesellen, die sich gern das SPRINGERPAAR „andrehen“ lassen. Ich gebe zu, dass ich ebenfalls die Gäule ins Herz geschlossen habe und oft angestrengt bemüht bin, mein (Schach-) Feld so zu beackern, dass sie sich wohlfühlen können

Außerdem bin ich davon überzeugt, dass Springer vom Charakter her ein großes Humorpotenzial in sich bergen.(Ist nicht das „erstickte Matt“ die Höchstform einer Schachkomödie? – oder das Mattsetzen mit König und einem Springer gegen König plus Randbauer?) .

Das hochgelobte Läuferpaar kann sich (im Unterschied zum Springerpaar) nicht gegenseitig decken. Boris Spasski sagte nach seiner ersten gescheiterten Ehe: “ Meine Frau und ich, wir waren wie zwei ungleiche Läufer…“

Wenn ich meine Lieblingspartien aus der Meisterpraxis sichte, dann stelle ich fest, dass sehr oft regelrechte Springereskapaden die Würze für meine Bewunderung lieferten.

Ein seltener Glücksfall ereignete sich in folgender Partie,die die Kiebitze in stille Heiterkeit versetzte und auch dem Unterlegenen schließlich ein amüsiertes Schmunzeln abrang.

Weiß: E.Bogoljubow           Schwarz: L.Schmid

Deutsche Schachmeisterschaft Bad Pyrmont 1949

(Anmerkungen sinngemäß zitiert aus dem Buch“Die besten Partien deutscher Schachgroßmeister“, Falken Verlag,1983).

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Sc3 Sf6 4.d4 exd4 5.Sxd4 Der junge Lothar Schmid hatte tags zuvor beim Frühstück von Meister Heinicke eine Anregung aus Hamburger Schachkreisen aufgeschnappt, die ungewöhnlich und frech – und auch irgendwie spielbar erschien


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Schach dem Diktator – Pedros Rettungsidee

Vor einigen Tagen fiel mir das Kinderbuch „Der Aufsatz“ von Antonio Skarmeta in die Hände, das  mit dem „Unesco-Preis für Kinderliteratur im Dienst der Toleranz“ und auch mit dem „Gustav-Heinemann-Friedenspreis“ ausgezeichnet wurde. Obwohl ich dieses schmale Werk schon mehrmals (hintereinander) gelesen habe, kann ich es nicht aus der Hand legen. Allein die sehr plastischen Illustrationen von Jacky Gleich verdienen ausgiebige Betrachtung.

„Der Aufsatz“ ist ein sehr politisches Buch , das der chilenische Autor, den viele Leser hauptsächlich durch sein Werk „Mit brennender Geduld“ (als Film „il postino“) kennen, in Erinnerung an die Militärdiktatur  geschrieben hat.

Held der spannenden Erzählung ist der 9-jährige Pedro, der ein sehr normales Leben zwischen Schule,Eltérnhaus und vor allem Fußball verbringt. Er ist klein,aber auch schlau und hat eine sehr wache Beobachtungsgabe. So ist ihm aufgefallen, dass seine Eltern abends häufig vor dem Radio sitzen und aufmerksam zuhören, um „interessante Dinge über uns und unser Land“ zu erfahren, so sagen sie es ihm.

Einige Wochen später, als er wieder in einem Straßenfußballmatch seine gefürchteten Dribblings zelebriert und auch noch ein Tor schießt, will sich nicht der gewohnte Jubel seiner Freunde einstellen. Alle Beteiligten sind wie gelähmt,als der Vater eines Fußballfreundes von Militärs abgeführt wird.“Warum haben sie ihn mitgenommen?“,fragt Pedro seinen Freund.“Mein Papa ist gegen die Diktatur“, sagt dieser leise..

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Mit 14 hat man noch Träume…

Kürzlich durfte ich im Rahmen einer Offenen Stadtmeisterschaft gegen ein Jungtalent antreten, das ganze 14 Jahre jung ist und schon nach wenigen Turnieren eine DWZ von ca 1760 aufweist. Jeder „Altmeister“ weiß, wie undankbar und vor allem DWZ-schädlich eine solche Konfrontation ausgehen kann, da diese Talente in der Regel ihrer „echten“ Wertungszahl hinterherhinken. Ich selbst hatte in dem zarten Alter mit dem Schachspielen begonnen, indem ich mich mit „Das kleine Buch vom Schach“ täglich in mein Zimmer zurückzog, und auf einem kargen Schachbrettchen ein mühevolles Selbststudium in die Wege leitete. Die harten Worte meines Vaters“ Schach ist viel zu schwer für dich!!“ trieben mich in diese akademische Enge. Heute – nach 40 Jahren Schachpraxis – neige ich dazu, ihm Recht zu geben.

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Das Drama des unbegabten Schachlehrers

Seit einigen Wochen schlich ich um die Einlösung eines vermaledeiten Versprechens herum: Meine Schwägerin hatte mir im Rahmen einer Großfamilienzusammenführung (Mutters 79.Geburtstag) stolz berichtet, daß ihr Jüngster (7) angefangen habe, S C H A C H  zu spielen und auch die S C H A C H  AG der hiesigen Grundschule fleißig besuche. Sie bat mich , doch mal in Kürze gegen den Kleinen eine Partie zu spielen. Er würde sich sehr darauf freuen, und sie habe ihm auch fest versprochen., dass ich dies gerne machen würde…Ich hatte vage – verlegen lächelnd – zugestimmt, da ich dies als meine Onkelpflicht erachtete. " Ja, ja, wenn ich mal Zeit habe, gerne, na klar, das freut mich sehr, dass der Kleine tatsächlich Schach lernen will, da kann ich ihm vielleicht ein wenig helfen"… usw. Und ich fügte mit kräftiger Betonung hinzu:" Das Wichtigste beim Schach ist, dass man das Verlieren lernt!!"  – Damit hatte ich – eher unbewußt – einen Kontrapunkt zu der immens verwöhnenden Erziehungspraxis des Neffenhaushalts markiert.

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Viktor Kortschnoi und das Fußvolk in Neuß

Im Jahre 1978 war Baguio City auf den Philippinen Schauplatz des denkwürdigen WM-Spektakels zwischen Karpow und Kortschnoi.Wenn auch die meisten Beobachter erstaunt waren, dass „Viktor der Schreckliche“ einen kompletten Fehlstart mit 1:4 Punkten fabrizierte, so wunderte ich mich nicht im Geringsten …

Etwa 6 Wochen vor Beginn des Kampfes weilte Kortschnoi in Neuß, wo er eine Simultanveranstaltung  gab (ebenso wie R.Hübner und Bodo Schmidt). Am Meererhof unter freiem sonnigen Himmel erwartete ein bunt -gemischtes Amateurlager gespannt den WM – Herausforderer. der durch seine Abkehr vom Sovietsystem natürlich  der „ideale“ Gegner für den regimetreuen Breschnewliebling Karpow darstellte.

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Curacao 1962 – Als Gegner noch Feinde waren…

Neulich besuchte ich mal wieder meinen getreuen Schachhändler, um einige Lustkäufe in Sachen Schachliteratur zu ermöglichen. Mir fiel dabei das Buch von Jan Timman "Curacao 1962 – The Battle of Minds that Shook the Chess World" in die Hände, dessen Titelfoto mich allein schon zum Kauf nötigte: Es zeigt Bobby Fischer und Tigran Petrosjan, die offensichtlich schon vor Beginn der Partie einige Unhöflichkeiten austauschen: Bobby in der Manier eines jungen Angebers grüßt seinen Antipoden wie einen Untergebenen , der gnädigerweise in seiner "Firma" arbeiten darf.

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Die Weltrangliste und ich

Nach fast 40 Jahren Schachpraxis ziehe ich schonungslos Bilanz:

In der WELTRANGLISTE der FIDE rangiere ich auf Platz 24408, in der NATIONALEN Rangliste auf Platz 3166.

„Da ist noch Luft nach oben“ würde meine gutmütige Gattin schmunzelnd hinzufügen, wenn ich ihr dies gestünde.Stattdessen lasse ich sie in dem Glauben, dass ich eine (lokale)Schachgröße bin, für die es sich lohnt, sonntags zum Mannschaftskampf frühmorgens Stullen zu schmieren, die Thermoskanne mit Kaffee zu füllen und im Cockpit des PKW eine kleine „Ritter Sport Nuss“ als Überraschung zu hinterlegen.

Alldieweil laufe ich herum, suche „meinen Kugelschreiber“, „meinen Rucksack“, „mein Lieblingshemd“ und verspüre alsbald das altvertraute Gegrummel und Gezerre im Magen, das schon so lange meine Vorbereitungen begleitet. Fast hätte ich’s vergessen: Die richtige(!)Musik für die Fahrt… Meine Gattin wirkt erleichtert, wenn ich endlich „Alles beisammen“ habe und um die Ecke biege…

Nachdem ich meine Lieblings-CD von Benny Golson eingelegt habe und auch die Sonntagsmorgensonne freundlich durchs Fenster schimmert, fühle ich mich allmählich wohltuend gestärkt, auf dem Beifahrersitz der rot-weiß-karierte Rucksack (Kaffee,Brote,Dextro-Energen,Toilettenpapier,Mineralwasser), vor mir die Aussicht auf die Niederrheinische Landschaft und auf einen Gegner, der mit seiner bescheidenen DWZ von 1830 wohl einen schweren Tag haben wird.

Der Kampf beginnt pünktlich um 10 Uhr. Ich nehme am 4.Brett Platz., begrüße freundlich meinen Gegner mit dem Satz, den ich mir nicht abgewöhnen kann:“ Möge der Schlechtere gewinnen!“ und lächele . Dieser verzieht keine Miene, sondern eröffnet mit 1.f4. Irgendwie paßt dieser Eröffnungszug nicht zu meinem Gegenüber, der mir sehr rustikal und rundlich-rotwangig , eher bäuerlich erscheint.“ Ein schneidiger Angriffsspieler sieht anders aus…“ Nun gut. Ich antwortete mit 1…e5 und hoffe schon auf 2.fxe5 d6 3.exd6 Sf6?! 4.dxc7 Dxc7 mit baldiger Rückfahrt. Ohne zu zögern folgt allerdings 2.d3, was mich leicht irritiert. Also 2…exf4 3.Lxf4 Df6 4.Dc1

Wir flogen also beide netterweise „aus dem Buch“, schon habe ich nach nur 4 Zügen als Schwarzer Oberwasser.Locker folgt 4….Lc5 5.e3 Se7 6.Sf3 Sd5 7.d4 Sxf4 8.exf4 Lxd4 9.c3 De6+ 10.Le2 . Nachdem mein Gegner die Eröffnung so erbärmlich behandet hatte, will ich alle taktischen Mätzchen, die am Horizont auftauchen könnten, im Keim ersticken. Ein technisch-leicht gewonnenes Endspiel strebe ich mit dem folgenden Zug an:

10….De3. 11.Dxe3 Lxe3 Die Pointe ist nun klar: Weiß verliert noch einen weiteren Bauern (f4 oder b2) und sollte eigentlich aufgeben. Nein, er spielt einfach weiter: 12.g3

also: 12. …Lc1 13.a3 Lxb2 14.Ta2 Lc1

Irgendwie erfüllt mich ein gewisser Stolz, dass ich endlich mal ohne Verwicklungen und „Romantizismen“ ganz technisch, ganz schnöde (wie meine Kritiker) , in Vorteil gekommen bin, und ich merke allmählich, wie erholsam und stressfrei solche „einfachen“ Siege sein können.

Mein rustikaler Gegner beugt sich weit vor, ich wische mir die Hand an meiner Cordose schnell trocken, da ich annehme, dass er aufgeben will, und zieht … 15. Kf2

Er lehnt sich zurück, verschränkt die Arme, bis seine Wangen glühen, springt dann auf, um seinen Getreuen eine wichtige Botschaft zu übermitteln. Sie formieren sich zu einem Rudel ,nehmen Kurs auf unser Brett und  nicken erheitert…

Der 24408te der Weltrangliste versinkt in Grund und Boden.

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Hape Kerkeling – ein weiser Wegweiser

Auch ich konnte der Versuchung nicht widerstehen, den Bestseller von Hape Kerkeling “ Ich bin dann mal weg“ durchzulesen ,um seine Jakobswegwanderung mitzuerleben.

Sein Fazit:

„Dieser Weg ist hart und wundervoll. Er ist eine Herausforderung und eine Einladung. Er macht Dich kaputt und leer. Und er baut Dich wieder auf. Er nimmt Dir alle Kraft und gibt sie Dir dreifach zurück.“

Diese Zeilen fielen mir wieder ein, als ich vor einigen Tagen von einem Schachturnier heimkehrte, wo ich gerade von einem „Patzer“ jämmerlich gedemütigt worden war. Die Schmach saß so tief, dass ich sie am nächsten Tag sogar einem befreundeten Nicht-Schachspieler mitteilen mußte. Er konnte mir nicht helfen – so schien es; doch plötzlich sprachen wir einträchtig und voller Enthusiasmus nur noch vom Kerkeling – Buch. Und dann folgte mein Geburtstag, und dann folgte eine Überraschung, und dann folgte ein befreiendes Lachen, als er mir sein Geschenk überreichte:

Danke Peter!

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Von Riesen und Zwergen

Manchmal gelingt es mir, mehrere Stunden am Tag nicht an Schach zu denken. Doch unterschwellig ist die Sucht jederzeit abrufbar, wenn auch nur eine klitzekleine „Eselsbrücke“ den Weg kreuzt. So geschehen gestern, als ich in aller Unschuld ein Buch von  Wolfgang Hey aus dem Regal zupfte mit dem Titel „Von Riesen und Zwergen“ .Der Autor, ein ehemaliger Bürgermeister und Landrat aus Rheinland-Pfalz, hat eine illustre Auswahl seiner „satirischen Verse“ zu Papier gebracht , eingeleitet mit einem Vorwort von  Dieter Hildebrandt . „Dann wirds wohl nicht so jämmerlich amateurhaft sein“, dachte ich und putzte neugierig abwartend meine Brillengläser.

Ich schlug das Büchlein irgendwie einfach auf, landete auf S.46:

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