Schachbrettfalter

Der Schachbrettfalter gehört zu einer ein besonders schützenswerten Art .So ging es heute durch die Medien. Doch ist er tatsächlich noch gefragt? Mir scheint, das Berufungssterben hat schon bald den erfahrenen Schachbrettfalter erreicht.

Schaut man sich in den einzelnen Vereinen um, sieht man fast nur noch faltenlose Bretter . Nur noch wenige tiefklassige Recken frönen noch dem Spielbrett, das nicht nur zwei Grundreihen hat, sondern auch eine Mittellinie, die durch eine Falz kenntlich gemacht ist.

Es bleibt die große Sorgen , dass diese Schachbretter vom Turniergeschehen völlig verschwinden, wie auch in absehbarer Zeit die mechanischen Uhren. Ganz zu schweigen von den Partieheften, die betagte Spieler früher zum Eintragen ihrer Glanzpartien in der Glasvitrine ihres Studierzimmers aufbewahrten.

Auch die Kiebitze werden immer seltener . Hängen häufig nur noch im Netz herum …

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Stundenlang sitzt man sich gegenüber

und schweigt sich an. Lediglich das mechanische Bewegen von Holzfiguren und das schriftliche Protokollieren derselben bilden eine kommunikative Brücke.Ein wildfremder Mann mittleren Alters, den ich bislang nie gesehen habe ,hockt wie ich am 8.Brett des Mannschaftskampfs. Die erste Frage , die sich mir stellt:“ Ist er ein Schwächling oder etwa ein „Joker“ , der nur in wichtigen Kämpfen eingesetzt wird, um einen sicheren Punkt einzufahren? Ein flotter Blick auf die Spielberichtskarte unseres Mannschaftsführers nimmt mir deutlich diese Sorge. Er ist wohl meine Kragenbreite…

Nach einem geräuschlosen Shakehands , ohne das handelsübliche „Wünsche eine schöne Partie“ kann das Abenteuer beginnen.

Da ich vor jeder Partie unangemessen nervös bin, zudem noch auf der Fahrt zum Spiellokal durch eine Baustellenumleitung in eine ungewohnte Prärielandschaft gezwungen wurde und dadurch fast zu spät eingetroffen wäre, versuche ich erstmal wieder zur Ruhe zu kommen. Mein Widerpart ist die Ruhe in Person. Er schreibt fein säuberlich die notwendigen Infos aufs Partieformular, schaut auf die Uhr, um das exakte Datum zu notieren und legt dann seinen Stift akkurat zur Seite. Ich vermute, dass der Opponent ein penibler Beamter ist, der sehr stark von Vorschriften geleitet wird. Kaum vorstellbar, dass der ein Gambit spielt, vielleicht mit leichter Überwindung das Damengambit…

Die Sorgfalt und Bedächtigkeit des Spielpartners läßt auch mich allmählich entspannen, zumal die Zugfolge in meinem vertrauten Schottisch einen angenehmen Auftakt darstellt. Wenn ich in „meine“ Lieblingseröffnungssysteme gelange, dann empfinde ich angenehme Heimatgefühle, in denen ich mich zuhause fühle am warmen Ofen sitzend mit Blick auf gesunde (Varianten-) Bäume.

Da ich nicht nur die Holzaktionen auf dem Brett verfolge, sondern auch den Gegner zwischenzeitlich ins Visier nehme, entgeht mir auch nicht, dass er nach seinem Zug immer wieder mal die Augen schließt. Kaum habe ich geantwortet, ist er wieder auf Sendung und betrachtet sorgfältig die neu entstandene Sachlage. Ich bin leicht irritiert, dass er selbst in verschärfter Krisensituation noch die Ruhe findet und die Augen schließt. Ich zittere innerlich, da ich wieder mal mit den Zündhölzern gespielt habe und leichte Panik aufkommt, ich könne selbst in den Flammen umkommen. Meinen nächsten Zug setze ich etwas fester aufs Brett, um eine Art Wirkungstreffer zu setzen. Die Zeit der Meditation und der Versenkung ist jetzt doch wohl vorbei, denke ich… Er taucht auf und beugt sich vor , und zum ersten mal sehe ich so etwas wie Anspannung oder gar Furcht!?

Seine Körperspannung ist auf einmal spürbar. Schließlich nach Abwägen aller Möglichkeiten macht er einen Zug, notiert diesen wie gewohnt in kalligraphischer Manier und schließt die Augen.

Jetzt heißt es den Knockout anzusetzen. Ein Turmopfer – bislang nur schemenhaft angedacht – scheint nun tatsächlich die Entscheidung zu bringen. Ein Blick zur Uhr: Ich habe noch 20 Minuten für 11 Züge, also lieber noch mal in Ruhe nachdenken. Mein meditativer Beamter , hoppla – hat nur noch 5 Minuten. Und nun. Ich höre wohl nicht recht. Doch. Ich höre richtig. Mein Gegner schnarcht. Er schnarcht so laut, dass auch die Spieler der oberen Bretter die Köpfe recken . Ich bin sprachlos. Ein Mannschaftskamerad des Schläfers pufft mit dem Handrücken den Oberarm seines Kollegen, der – nur leicht irritiert – die Partie fortsetzt.

Auf dem Weg zur Toilette frage ich meinen Mannschaftskollegen, wie die Bundesturnierordnung einen solchen Fall beurteilt. „Ich bin mir nicht sicher“, sagt er.“ Ich vermute, die BTO sagt, dass man bis zu einer Anstupstiefe von 2 cm den Spieler aufmerksam machen darf!“

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Im Märzen der Bauer …

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Manchmal fehlt nur ein Tempo

 Der Verbandsklassenkampf unserer Uedemer Mannschaft gegen St.Tönis am 3.Advent bescherte uns ein Wiedersehen mit altgedienten Recken (Kalkmann , Hilgers), die wie manche von uns noch das  Kloppen auf mechanische Uhren, das Kettenrauchen und „Hängepartien erleben durften. Beim Apres -Echecs schließlich kreisten die Pilsfläschchen harmonisch im Takt der Anekdoten, die unvermeidlich diese Vergangenheit hervorzerrten. Willkommen im Zeitzeugenalter!
Jenseits der Folklore gabs jedoch vorher an fast allen  Brettern ein erbittertes Ringen.
Ausnahme die freundschaftliche Begegnung vonAltmeister Kalkmann gegen Frischrentner Aldenhoven an Brett 3. Sie lehnten jeglichen Waffengang ab und remisierten einträchtig.
Nach etwa 3 Stunden konnte ich die Führung für die St.Töniser erzielen, nachdem ich nach sorgfältigem Spiel und „gutem Gefühl“ in heraufziehender Zeitnot plötzlich die Chance sah, den ersten vollen Punkt für uns zu holen. Ein schrecklicher Rohrkrepierer beendete die vorher so unterhaltsame Partie.
 Hier spielte ich 30.Sxd5 ? und verlor kurze Zeit später. „Du hättest 30.Sxe6 ! spielen sollen“, sagte mir mein Gegner nach der Partie. Nach   30.Sxe6 geht doch …Lxd2?! Und dann 31.Sc5+  Sxc5 32.dxc5  Puh, am PC zeigte mir FRITZ, wie tief der Töniser gerechnet hatte. Rettet sich der schwarze Läufer nach h6, folgt vernichtend 33.Df5+ oder Txa6.
 
Chapeau Monsieur Lauterbach!
Vortrefflich die Vorstellung unseres Holländers Zwikker gegen Basen, der couragiert und raffiniert am Spitzenbrett einen wichtigen halben Punkt beisteuerte. Die Reihen lichteten sich allmählich (Remis spielten  Alois Tack und Gerd Aanstoot , schöner Sieg von Jansen an Brett 8) bis nur noch 2 Partien übrig bleiben. Beim Stand von 3:3 tippelten die Kiebitze hin und her durch den Saal :
Für Markus Hidding war es reiner Wintersport
Markus Hidding ,von starker Erkältung geschüttelt, ruderte plötzlich mit beiden Armen , irgendetwas Wichtiges fehlte ihm?!. Non playing Ersatzmann Thomas Kammann, offensichtlich Körpersprachenkundler, zückte sofort ein Papiertaschentuch und reichte es dem Verzweifelten. Nach diesem TEMPOgewinn baute unser Mann seinen Endspielvorteil deutlich aus und ertrug es auch, dass sein Gegner längere Zeit das Aufgeben versäumte. Am anderen Ende des Saals unser Oldie Rainer Tillmann, der mit seinem Gegner eine hektische Zeitnotorgie veranstaltete, die dem Töniser schließlich einen Mehrbauern bescherte.
Rainer Tillmann sucht seine Züge, die nicht mehr rekonstruierbar sind.
 Doch wer auf die Partieformulare der beiden schaute, sah, dass die letzten Züge von beiden Spielern  nicht notiert worden waren .Was nun? Uhr anhalten, Notation ergänzen ! Pustekuchen! Beide Spieler sahen sich außerstande, die Züge zu rekonstruieren, waren sich jedoch sicher, die 40 Züge absolviert zu haben ! In offener Diskussion zwischen den Spielern und den Umstehenden wurde einstimmig beschlossen, die Partie mit einem 41.Zug fortzusetzen!? Vielleicht sollte man – ähnlich wie beim Fussball – eine Videotechnik einschalten, um zumindest die Zeitnotphase aufzuzeichnen.
Der Töniser gewann schließlich verdient und rettete seiner Mannschaft das 4:4 .
Es war ein Krimi, eine Komödie , eine unterhaltsame Begegnung mit sympathischen Gästen!
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Und dann passierte Folgendes…

Wie  schon seit vielen Jahren in treuer Tradition fuhr ich auch diesmal zum INTERNATIONALEN GOCHER OPEN, das zum 27.Mal ausgerichtet wurde. Erklärtes Ziel : Langsam das Schachgift  ausschleichen und die „Schachbühne“ nur noch sporadisch betreten. Die Mißerfolge der letzten Monate in Verbindung mit der notwendigen Einsicht, dass Kraft, Konzentration und Ideenstärke im Alter zwangsläufig nachlassen und der bisherige Zeitaufwand für diese Droge in keinem Verhältnis zu den mageren Ergebnissen stehen, ließen mich die Reißleine ziehen. DWZ  klar unter 1900 , ELO unter 2000 . Und dann noch im letzten Gocher Open die Krönung: ein 118.PLatz bei ca 160 Teilnehmern.
So startete ich recht vergnügt und „ergebnisoffen“ die 1.Runde, um noch einmal die vortreffliche Atmosphäre und die optimalen Bedingungen zu genießen.Im Vordergrund das Treffen von alten Bekannten, das notwendige Gewitzel mit den Turnierleitern und natürlich das Geschwafel von einem angestrebten Mannschaftspreis mit meinen Kumpanen aus dem Uedemer Schachklub.
Im Aufgalopp gegen einen schwächeren Gegner fiel mir recht schnell eine feindliche Figur in die Hände und dann auch noch sein König. Nächster Gegner der starke Däne Tommy B.Schmidt, gegen den ich chancenlos herumstocherte bis ich endlich aufgeben durfte. Als Belohnung dann wieder eine lösbare Aufgabe, die ich zwar holprig, dann aber doch irgendwie erledigte. In der 4.Runde hatte ich es mit  Patrick Terhuven (Krefeld) zu tun, der mit jugendlicher Frische in aller Coolness meine kleinen taktischen Pseudodrohungen negierte und seinen sehr weit entfernten Freibauern auf die Reise schickte und mühelos gewann.
Mit 2:2 Punkten war ich auf gewohntem Kurs : Billige Siege gegen Schwächere , Chancenlosigkeit gegen Stärkere.

In der 5.Runde endlich ein Spielpartner in meiner Augenhöhe : Egon Klaus (Viersen ). Mit Weiß werkelte ich ein wenig herum, um auf Umwegen doch noch mein Französisches Flügelgambit aufs Brett zu bekommen. Nach 28 . Dd2 entstand diese Stellung:

diagramm-1-nach-28-dd2

Droht natürlich vordergründig die Eroberung des schwarzen Bauern b7 mit anschließendem Gewinn des Bauern a6, ohne dass Schwarz sich auf c3 bedienen kann. Mein Ex – Mannschaftsführer Uwe H. betrat in dieser Situation die Kampfzone. Dies beflügelte meine Rechnerei und Kombinationslust. Nimmt Schwarz nun auf h5, dann wollte ich mit Lxh6 + eindrucksvoll den Sieg einfahren. Mir schwoll der Schädel , zumal ich nicht so recht erkennen konnte, wie ich die geopferte Figur zurückgewinnen kann oder ein Matt erzwingen könnte. Nach einer halben Stunde wars dann soweit: Es folgte wie erwartet

28… Lxh5. Schon wollte ich zum schnöden Sxb7 zurückkehren, da riß ich mich zusammen, erinnerte mich an meine „Abschiedstour“ und rasselte den Läufer nach h6.

Also 29.Lxh6+  Sxh6 diagramm-1-nach-29-sxh6. Ansonsten verliert Schwarz durch Abräumen der Bauern.

Jetzt muß Weiß den Beweis antreten, dass auch ohne Figurenrückgewinn die Kombination korrekt ist. Die meisten „schönen“ Kombis meiner Laufbahn waren komplett hirnrissig und vor allem in den letzten Monaten schon fast peinlich anzusehen. Eigentlich hatte ich mir nach der DVD – Lehrstunde mit NIGEL DAVIS , der dem älteren Schachfreund dringend empfiehlt, einfache Eröffnungssysteme und vor allem langweilige , ruhige Stellungen anzustreben, um gegen jüngere (theoriegewaltige) Spieler bestehen zu lönnen.(„How to beat younger Players“) geschworen, diesen Tipps zu folgen. Nur dann könne der Alte mit seiner Routine und seinem besseren Schachverständnis erfolgreich sein?! Ich bin da skeptisch…Gerade in „ruhigen“Stellungen zeigt sich m.E., wie überlegen die heutigen Traingsmethoden der jungen Spieler oft sind. Wer in Goch das Bühnengeschehen verfogt hat, der sah fast nur Kinder und Jugendliche dort sitzen, die keineswegs als Heißsporne auf ihre Gegner losgingen.

Zurück zur Partie: 30. Dg5 +  . Um sich auf den Beinen zu halten, versucht Schwarz die Figuren zusammen zu halten.

diagramm-1-nach-30-dg5-lg6Also 30…Lg6 . Nun kann die Chose nur noch mit dem Joker Sc5 beendet werden.

Nach 31.Se6+ klammert sich der schwarze König sicherlich an den Randspringer, so dass – optisch gesehen – nur 2 Angreifer gegen 4 Verteidiger übrig bleiben. Doch die beiden Rappen stehen sich irgendwie im Wege, verstopfen eher die Fluchtwege.

Freund Uwe sah natürlich,wie es weiter gehen könnte. Ich hatte allerdings immer noch Sorge (aus Erfahrung) dass ich irgendetwas übersehen haben könnte.

Nun folgt der Abschluß:

diagramm-1-nach-32-df6

32. Df6 !    1 :0

Kurioserweise kann nur die schwarze Dame das drohende Matt auf g7 decken. Auf 32…Dg8 folgt 33.Sg5 matt. Auf 32…Dh8 folgt natürlich 33.Dxe7+ mit nachfolgendem 34.Kd2 (oder auch etwas snobistisch 34.0-0-0) . Und auch 32…Df7 nützt nichts wegen 33.Sg5+ mit Damenverlust.

Nun gabs natürlich wieder entsprechend einen starken Gegner: Der Bremer Olaf Giel (ELO 2170) hatte allerdings einen Blackout, der nach 12 Zügen die Partie beendete.:

Weiß. Groß      Schwarz: Giel, Olaf

1.e4  c5 2.Sf3  d6 3. d4  cxd4 4.Dxd4  Sc6 5.Lb5  Ld7 6. Lxc6  Lxc6 7.Sc3  Sf6 8.Lg5   bis hierher Altbekanntes . Sein nächster Zug war für mich neu:  8…Da5.Normalerweise geht’s weiter mit 8…e6 und anschließender langer Rochade von Weiß mit „verteilten“ Chancen. Hier entschied ich mich für 9.0-0. Sein nächster Zug machte mich stutzig: 9…Sd7gier-ps-2-nach-9-sd7.

Ins Auge fällt die geklemmte Position des schwarzen Läufers auf c6. Am liebsten hätte ich gleich 10.b4 gespielt und ein lockeres 11.b5 folgen lassen, doch Zwischenzüge können die Sache komplizieren.

Auf jeden Fall lohnt es sich, die Nagelprobe zu machen.

Also 10. b4   Nun ist 10…Da6 wegen 11.a4 sicherlich mehr als unbequem für Schwarz. Deshalb entscheidet er sich für 10…e5. 11.Dc4 . An dieser Stelle griff der Bremer mächtig daneben mit 11…Da3??

gier-ps-2-nach-11-dc4Es folgte natürlich 12.Lc1 und auf 12…Sb6 13.Dxc6 + mit Mehrfigur 1 : 0

Nach diesem Lucky Punch konnte ich entspannt in die letzte Runde gehen, da ich mein Soll schon übererfüllt hatte. Mein Gegner Peter Winkel (ELO ca 2170) aus Krefeld. Stundenlang am Abgrund taumelnd gelang mir durch Zugwiederholung noch ein schmeichelhaftes Remis. Am Ende Platz 28 von 163 Teilnehmern… Sieger wurde wieder einmal der Haudegen K.H.Podzielny. Weitere Infos unter: http://www.gocher-open.de/index.php/de/

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Wir gratulieren Robert Hübner zum bestandenen Abitur…

Mit diesen Worten wurde Robert Hübner am 14.07.1967 in Kranenburg beim dortigen Schachverein begrüßt, bevor der Jungstar eine Simultanveranstaltung gab. Ich saß als (Schach)- Schüler mitten in dem Pulk der Amateure,rotwangig ,ein wenig ängstlich und mächtig stolz dabei sein zu dürfen. Meine Partie  – in einem entsprechenden Partieheft -fein säuberlich nachnotiert,zog sich bis zum 73.Zug,wo meine mangelhaften Endspielkenntnisse schließlich staubtrocken offen gelegt wurden.

Foto: Gerhard Hund

47 Jahre später sollte sich dieses „Duell“ wiederholen, wieder am Niederrhein, diesmal in der kleinen Schachhochburg Uedem. Der Altmeister spielte an 38 Brettern gegen Auswahlspieler aus Kranenburg,Kevelaer, Uedem , ergänzt mit starken Spielern aus Hemer und Duisburg.  Tatsächlich gabs einige Siege für die Amateure (Sirringhaus!) und einige Remis, doch insgesamt blieb der Meister souverän.

Erstaunlich auch die sehr gute Kondition des mittlerweile 65 Jährigen.!

 

 In meiner Partie sah ich schon wie der sichere Sieger aus , nachdem ich eine Figur gewonnen hatte. Wenige Züge später mußte ich aufgeben, da Hübner Zinsen und Zinseszinsen für diese Investition einforderte, die unaufschiebbar waren. Am PC in selbiger Nacht die übliche Nachbearbeitung mit Fritzchen, der mittlerweile schon 13 ist. Nach meinem 30.Zug wurde es dramatisch: Ich hatte über die Drehscheibe c4 beide Türme zum Königsflügel des Weißen bugsiert, um in Verbindung mit dem Lb6 den ein wenig schutzlosen (?!) Monarchen zu attackieren. Hübner spielte ohne zu Zögern 31.Kh3.
Und ich war froh, dass mir die Riposte 31…f5 einfiel,um den T auf g4 zu stabilisieren und nette Abzusschachs in petto zu haben. Ich fiel fast vom Sessel, als Fritzchen auf 31.Kh3 ein Matt in 6 Zügen
ankündigte…Hier hätte Schwarz also direkt gewinnen können. wohlgemerkt Schwarz, nicht ich , denn  ich hätte diese Zugfolge nie und nimmer gefunden.
Umso schöner der Gewinnweg!    Möge der geneigte Leser staunen:

31… Sf3 + !!  Weiß muß den Turm auf g4  nehmen, sonst fällt ersatzlos der Sd2.

Es folgt ein doppeltes Turmopfer!

 

 

 

 

 

 32.Kxg4           Die eigentliche Pointe folgt gleich

32…Sh2 + !! (für mich der schönste Zug der
Variante)
Man beachte, dass die Ablehnung des neuerlichen
Turmopfers (mit 33.Kf4) an 33…Tf5 matt scheitert.
                                                                                                                     also 33.Kxh5
33…Ld8 ! Schwarz kann sich tatsächlich diesen
stillen Kraftzug erlauben. Es droht 34…g6 + nebst 35…Sg4 matt. Oder auch nach anderen Zwischenzügen34…Kh7 nebst matt mittels …g6.
 Übrigens gab es im Netz lebhafte Diskussionen zu dieser Kombination. Bei COMPUTER SCHACH und SPIELE  wunderten sich Einige über die „Rechenknechte:
 
 http://forum.computerschach.de/cgi-bin/mwf/topic_show.pl?tid=7117
Wer sich für die ganze Partie interessiert:
Weiß: Robert Hübner    Schwarz: Ich

[1. e4 c6 2. d4 d5 3. e5 b6 4. Nc3 e6 5. Nh3 Ba6 6. Bxa6 Nxa6 7. Bd2 Ne7 8. Qg4
Nf5 9. Ne2 c5 10. dxc5 Nxc5 11. Ng3 Qh4 12. Qxh4 Nxh4 13. O-O Be7 14. a4 O-O
15. a5 b5 16. a6 Rfc8 17. Bb4 Bd8 18. Nf4 Nd7 19. Nd3 Bb6 20. c3 Ng6 21. Rfe1
Rc4 22. Kf1 Rac8 23. Bd6 h5 24. Nxh5 Rh4 25. Ng3 Rxh2 26. Kg1 Rh4 27. Nf1 Rcc4
28. g3 Rh5 29. Nd2 Rg4 30. Kg2 Nh4+ 31. Kh3 f5  32. exf6 Nxf6 33. Rxe6 Nf3+
34. Kg2 Nxd2 35. Bf4 Nc4 36. b3 Kf7 37. Rc6 Na5 38. Rxb6 axb6 39. a7 1-0
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Wallfahrt nach Kevelaer wurde zum Himmelfahrtskommando Sonntag, 23. Februar 2014

Unsere wackere Altherrenriege aus der 2.Mannschaft , die nach munterem Auftakt in der Verbandsklasse zu den Aufstiegsfavoriten gezählt wurde, ging hochmotiviert und leicht „favorisiert“ in den Clinch mit dem Tabellennachbarn aus Kevelaer.


Der Mannschaftsführer der Gastgeber begrüßte uns freundlich mit den Worten:“ Ihr seid eigentlich die heimliche 1.Mannschaft! Was macht ihr eigentlich, wenn eure  tatsächliche 1.Mannschaft absteigt (aus der Verbandsliga) und ihr aufsteigt? „Wir bleiben die Zweite“, entfuhr es meinen Lippen, denn mit der Zweiten spielt man besser!“
Vielleicht hätten wir  statt kesser Sprüche besser die Basilika besucht und einen Haufen Kerzen angezündet… Wie sich herausstellte waren wir – trotz Bestbesetzung – chancenlos.

Besonders das „mittlere Paarkreuz“ Brandenburg,Aldenhoven und
Groß, das noch vor einigen Wochen satte 3 Punkte eingefahren hatte, schwächelte und brachte lediglich 2 Remise in die Remise.
Als in einer Zeitnotschlacht unser Mann am 8.Brett auch noch versehentlich seinen eigenen König vom Brett nahm und  – wie eine
geschlagene Figur – auf dem Tisch abstellte und die Kiebitze hektisch die Rückkehr des Monarchen aufs Brett forderten, da wurde auch dem letzten Optimisten klar, dass hier nix Irdisches zu holen war.

Meine Partie gegen P.Supplieth hatte zum Schluß immerhin nocheinen humorigen Abgang…

Weiß: P.Supplieth          Schwarz: Ich

1. e4  c6 2.d4   d5 3.Sc3  dxe4 4. Sxe4 Sf6 5.Sxf6+ exf6 6.Sf3 Ld6 7.Le3 0-0 8.Le2 Dc7
Die schwarze Eröffnungsvariante steht nicht hoch im Kurs, denn fast zwangsläufig erhält Weiß die Bauernmehrheit am Damenflügel und auch mit dem Bauernduo c4 und d4 Chancen, einen Freibauern
zu bilden. Allerdings hat Schwarz einen mächtigen Schutzwall um seinen König gebaut und erhält lebhaftes Figurenspiel. (wenn nix dazwischenkommt).

9.0-0 Te8 10.c4 Lg4 11.h3

Eine typische Stellung bei diesem System. Wenn Schwarz noch zu Sd7 kommt , der auch gern mal über f8 und g6 ins Spiel kommt, dann läßt es sich gut leben.

11…Lh5 12.d5  c5 (Engines mögen solche „Blockaden“ meist nicht.) 13.Tc1 Sd7 14.Te1 f5 (!)


 

 

 

Nun winkt u.U. sogar das wichtige Feld e4 für den schwarzen Rappen.

 

 


 

 

 

 

 

 

15.a3 Sf6 16. Sh4

16…Txe3                        17.fxe3

Nun werden vage Ideen plötzlich zu roten Ohren und kribbligen Fingern. Verschiedene Kombi-Motive
fliegen mich an, die schwer zu sortieren sind. Immer wieder gibt mein Läufer auf h2 Schach, und immer wieder springt das Rössel nach e4, und immer wieder stört die eventuelle Riposte d6 meine Pläne.
Allmählich springe ich gedanklich nur noch zwischen den Kardinalzügen (Kevelaer) hin und her, so dass
selbst das Klare auf einmal unklar wird. Maria hilf! Ich entscheide mich für
17…Se4
 18. Sxf5 ! Mein Gegner verschmäht den Läufer auf h5 zu Recht.Das Feld g3 , das sein Pferd jetzt deckt ist

lebenswichtig!
Nun folgt ein amüsanter Schluß:
18… Lh2+   19. Kf1 (sonst Sf2 matt)
 
Mein nächster Zug erzwingt die Punkteteilung.

19… Dg3 !
 Nach 20.Sxg3 folgt 20…Sxg3+ mit  Dauerschach .  
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Rochade war gestern…(15.September 2013)

Nach langer Abstinenz wegen permanenter Erfolglosigkeit und entsprechender Humorschwächung folgt nun die unvermeidliche Rückkehr zur alten karierten Passion. Nein nein, nicht weil sich plötzlich wieder Erfolge einstellen, weit gefehlt. Ich habe eine Art Selbsthilfegruppe gefunden, die
– ebenfalls altersbedingt –  die großen Siege nur noch als Erinnerungsfetzen zitieren kann.
Frei nach Hanns Dieter Hüsch („Irgendwann kommen alle zurück“) bin ich zu meinem Ursprungsclub, den SK Uedem, heimgekehrt, bei dem ich Mitglied der „legendären“ Jugendmannschaft in den 60 er Jahren sein durfte. Die regionale  Schachhistorie fügte es, dass nun
das  ehemalige Jugendteam als Seniorenclub wieder zusammen gefunden hat. Hinzu kamen befreundete Ex-Konkurrenten aus dem Verband, die sich seit langer Zeit nicht mehr gesehen, jedoch
immer voreinander gefürchtet hatten. Sammelbecken für diese Jugendsenioren ist die 2.Mannschaft, die in der Verbandsklasse heute nun die Feuertaufe bestehen sollte.
Hat sie natürlich, sonst würde ich nicht schreiben …
Unsere Gäste aus Duisburg-Großenbaum , nominell sehr stark einzuschätzen, mußten leider 2 Bretter
unbesetzt lassen und auch noch Ersatzspieler ersetzen.
Am Spitzenbrett unserer Mannschaft kämpfte Uwe Heinz, der nichts von seiner kreativen Spielfreude
und Risikobereitschaft eingebüßt hat. Sein Figurenopfer bewegte die Gemüter, doch brachte seinen Gegner nicht so recht aus der Fassung. Coole Riposten des Duisburgers löschten schließlich die
leicht lodernden Flammen.Es blieb der einzige Sieg der Gäste.“Uns Uwe“ genießt die Narrenfreiheit in der Rentnertruppe. Das beflügelt auch die übrigen Kollegen.

Völlig angstfrei auch – endlich mal – mein selbstgestrickter Skandinavier als Schwarzer gegen Franz Mietner. Schon nach wenigen Zügen „wirbelte“ mein Gegner mit taktischen Drohungen, die mir den Sonntag zu verderben drohten. In der folgenden Stellung zuckte ich rechtzeitig vor dem „allfälligen“ 9…S7f6 zurück.“

Darauf folgt einfach 10.Lxd5 und nach 10…exd5 (respektive cxd5) folgt locker 11.Dxg7 und die Rückfahrt kann angetreten werden. Nach langem Nachdenken und dem Credo von Uwe („Hier darf jeder machen , was er will – ohne Druck!“) entschied ich mich für 9….Tg8 (!). Nach 10.Ld2 – S7f6 11.S2c3 – a6 12. a3  sah ich die Chance, mal etwas (für mich) Neues zu kreieren: Die CHARODE !
mit 12… Kf8 ! ist die CHARODE vollbracht.
Die Königsstellung erscheint mir sicherer als nach manch ordinärer  ROCHADE – Stellung, die ich früher oft in aller Schnelligkeit angestrebt hatte .(Ein wichtiger Teil meiner „Schachausbildung“).

Dass ich letztlich diese Partie gewonnen habe, führe ich auf dieses CHARODE zurück. Zwischendurch allerdings mußte ich mehrmals der Versuchung widerstehen, die e-Linie öffnen zu lassen, damit der Turm (oje der König!) eine freie Linie hat.
 Ich füge noch ein paar Fotos von den besungenen Ex-Jugendlichen hinzu:
li:  Heinz Aldenhoven („Ali“), auch am Biertisch um keine Riposte verlegen.
Hans – Josef Arts (Doc), ein Schüler Nimzowitschs und Lehrmeister seines talentierten Sohns (1.Mannschaft)
und der immer gefährliche Angriffsspieler: Charly Brandenburg .
Hier in einer Parte gegen Norbert Krüger (Ratingen) re.im Bild. Nur die Tapete verrät, dass eine gewisse Zeit vorüber ist…
 Er sieht heute noch genau so aus und spielt auch so…

übrigens gewannen wir 5,5 : 2,5
Doch dies war nicht das Wichtigste…
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Mit dem Blick nach vorn – in die alte Heimat (20.August 2012)

In der neuen Saison werde ich wieder für meinen alten Heimatverein , den Uedemer Schachklub  spielen. Auf Grund eines eklatanten Missverständnisses hat man mich leider in  die  1.Mannschaft (Verbandsliga) gesteckt. Also back to the Roots und die Lektionen auffrischen, die mein Lehrmeister mir vor etwa 40 Jahren mitgegeben hat.Mein Dauertrainer war Heinz Aldenhoven, der 1969 immerhin Jugendeinzelmeister von NRW wurde.Anbei ein sw-Foto aus jenem Jahr .Schauplatz  Uedem, Hotel Paessens, Niederrhein-Einzelmeisterschaft:

 

Aldenhoven (dozierend)

ich (staunend)

 

 

Zwischenzeitlich trennten sich unsere Wege: Er wurde solide (Beamter) und spielte 1.Sf3 …
Da konnte ich ihm nicht mehr folgen.
Vielleicht gelingt es mir in diesem Umfeld , endlich seriöser zu spielen! Dem Verein wärs zu wünschen!

Zum Abschluss ein Gruppenfoto aus dem Turnier:

von li: Kolander, Arts , Partenheimer,.Borngässer, Aldenhoven,Huhndorf,Budde u.ich

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Schach ist ein Boxkampf (25.Oktober 2011)

Es war nicht zu verhindern:Bei der Pressekonferenz im Vorfeld des Box-WM-Kampfes Wladimir Klitschko gegen den Franzosen  Jean Marc Mormeck holte der Ukrainer mal wieder sein Schachbrett aus der Sporttasche. Das unvermeidliche „Boxing is a chessgame“ diente mal wieder als knallharte Ouverture, um dem Außenseiter seine Chancenlosigkeit einzubläuen.
Der Weltmeister erläuterte kurz seine Absichten:“ Wie ein Schachspieler habe ich einen Plan A,B,C,oder D. Es gibt Taktik und Strategie und am Ende werde ich dich mattsetzen.“ Diese intellektuelle Keule zieht immer bei den Medien, vor allem in Verbindung mit dem Doktortitel des Ukrainers. Ich muß hier nicht wiederholen, wie erbärmlich  die Schachkenntnisse beider Klitschkos in Wirklichkeit sind. Schön illustriert bei Jörg Seidel (König Plauen):
http://www.koenig-plauen.de/Metachess/Polemik/promis.php
Die bis zum Erbrechen konstruierten Paralellen zwischen Schach und Boxen reduzieren sich wohl nur auf das Schlagen von
Figuren und auf die Unübersichtlichkeit der WM-Titelkampf-Modalitäten.
Echte Gemeinsamkeiten wären nicht schlecht:

1. Das Hineinschreien (Vorsagen) von Trainern, Betreuern, aufgebrachten Fans etc könnte manches Leichtgewicht beflügeln …oder restlos demoralisieren. Der Schachspieler bleibt jedoch einsam und seinen eigenen Fehlern überlassen.

2. Partieunterbrechungen nach 3 Minuten mit Trainerbesprechung und Aufmunterung sind beim Schach bisher selten vorgekommen.

3. Kein Schachspieler, der kurz vorm Matt steht, wird angezählt oder auch, wenn die Partie hoffnungslos erscheint, vom Schiedsrichter vom Tisch gezerrt .( und dabei heftig umklammert,damit der Arme nicht doch noch die Partie fortzusetzen versucht.

4. Kein Betreuer darf von seiner Schachecke aus, den König für seinen Schützling umwerfen, um den aussichtslosen Kampf zu beenden.

5. Nach der regulären Spielzeit wird der Kampf beendet, und die 3 Kampfrichter füllen ihre Spielberichtskarten aus und verteilen anschließend ihre jeweiligen Punkte.Der Ringrichter verliest dann das Endergebnis, was manchmal zu Tumulten führt.

Wünschenswert wäre es auch, das Schachspiel aus dem feingeistigen bildungsbürgerlichen Milieu herauszuholen, um auch das gewöhnliche Bürgertum für diese faszinierend – brutale Sportart zu begeistern .
Erste Ansätze scheinen schon sichtbar: Blitzturniere auf der Reeperbahn („Auf der Reeperbahn Schach um halb eins“).
Es fehlen auch noch echte Promoter (Don King ?!), Schachställe und bessere Vermarktungsstrategien.
Die beliebten Matadore der Schachboxer läuten diese neue Zeit schon eindrucksvoll ein. Mit Kramnik („Schach ist wie Boxen“) und W. Klitschko (“ Boxen ist wie Schach“) ist das „königliche Spiel“ auf dem besten Weg , eins auf die Fresse zu kriegen.

Wer immer die Klitschkos in die Geheimnisse des Schachspiels eingeführt hat, bleibt deren Geheimnis. Ich vermute, dass  es die bekannten DDR- Trainer Herricht und Preil waren.

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