Mit dem Blick nach vorn – in die alte Heimat (20.August 2012)

In der neuen Saison werde ich wieder für meinen alten Heimatverein , den Uedemer Schachklub  spielen. Auf Grund eines eklatanten Missverständnisses hat man mich leider in  die  1.Mannschaft (Verbandsliga) gesteckt. Also back to the Roots und die Lektionen auffrischen, die mein Lehrmeister mir vor etwa 40 Jahren mitgegeben hat.Mein Dauertrainer war Heinz Aldenhoven, der 1969 immerhin Jugendeinzelmeister von NRW wurde.Anbei ein sw-Foto aus jenem Jahr .Schauplatz  Uedem, Hotel Paessens, Niederrhein-Einzelmeisterschaft:

 

Aldenhoven (dozierend)

ich (staunend)

 

 

Zwischenzeitlich trennten sich unsere Wege: Er wurde solide (Beamter) und spielte 1.Sf3 …
Da konnte ich ihm nicht mehr folgen.
Vielleicht gelingt es mir in diesem Umfeld , endlich seriöser zu spielen! Dem Verein wärs zu wünschen!

Zum Abschluss ein Gruppenfoto aus dem Turnier:

von li: Kolander, Arts , Partenheimer,.Borngässer, Aldenhoven,Huhndorf,Budde u.ich

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Schach ist ein Boxkampf (25.Oktober 2011)

Es war nicht zu verhindern:Bei der Pressekonferenz im Vorfeld des Box-WM-Kampfes Wladimir Klitschko gegen den Franzosen  Jean Marc Mormeck holte der Ukrainer mal wieder sein Schachbrett aus der Sporttasche. Das unvermeidliche „Boxing is a chessgame“ diente mal wieder als knallharte Ouverture, um dem Außenseiter seine Chancenlosigkeit einzubläuen.
Der Weltmeister erläuterte kurz seine Absichten:“ Wie ein Schachspieler habe ich einen Plan A,B,C,oder D. Es gibt Taktik und Strategie und am Ende werde ich dich mattsetzen.“ Diese intellektuelle Keule zieht immer bei den Medien, vor allem in Verbindung mit dem Doktortitel des Ukrainers. Ich muß hier nicht wiederholen, wie erbärmlich  die Schachkenntnisse beider Klitschkos in Wirklichkeit sind. Schön illustriert bei Jörg Seidel (König Plauen):
http://www.koenig-plauen.de/Metachess/Polemik/promis.php
Die bis zum Erbrechen konstruierten Paralellen zwischen Schach und Boxen reduzieren sich wohl nur auf das Schlagen von
Figuren und auf die Unübersichtlichkeit der WM-Titelkampf-Modalitäten.
Echte Gemeinsamkeiten wären nicht schlecht:

1. Das Hineinschreien (Vorsagen) von Trainern, Betreuern, aufgebrachten Fans etc könnte manches Leichtgewicht beflügeln …oder restlos demoralisieren. Der Schachspieler bleibt jedoch einsam und seinen eigenen Fehlern überlassen.

2. Partieunterbrechungen nach 3 Minuten mit Trainerbesprechung und Aufmunterung sind beim Schach bisher selten vorgekommen.

3. Kein Schachspieler, der kurz vorm Matt steht, wird angezählt oder auch, wenn die Partie hoffnungslos erscheint, vom Schiedsrichter vom Tisch gezerrt .( und dabei heftig umklammert,damit der Arme nicht doch noch die Partie fortzusetzen versucht.

4. Kein Betreuer darf von seiner Schachecke aus, den König für seinen Schützling umwerfen, um den aussichtslosen Kampf zu beenden.

5. Nach der regulären Spielzeit wird der Kampf beendet, und die 3 Kampfrichter füllen ihre Spielberichtskarten aus und verteilen anschließend ihre jeweiligen Punkte.Der Ringrichter verliest dann das Endergebnis, was manchmal zu Tumulten führt.

Wünschenswert wäre es auch, das Schachspiel aus dem feingeistigen bildungsbürgerlichen Milieu herauszuholen, um auch das gewöhnliche Bürgertum für diese faszinierend – brutale Sportart zu begeistern .
Erste Ansätze scheinen schon sichtbar: Blitzturniere auf der Reeperbahn („Auf der Reeperbahn Schach um halb eins“).
Es fehlen auch noch echte Promoter (Don King ?!), Schachställe und bessere Vermarktungsstrategien.
Die beliebten Matadore der Schachboxer läuten diese neue Zeit schon eindrucksvoll ein. Mit Kramnik („Schach ist wie Boxen“) und W. Klitschko (“ Boxen ist wie Schach“) ist das „königliche Spiel“ auf dem besten Weg , eins auf die Fresse zu kriegen.

Wer immer die Klitschkos in die Geheimnisse des Schachspiels eingeführt hat, bleibt deren Geheimnis. Ich vermute, dass  es die bekannten DDR- Trainer Herricht und Preil waren.

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Dramatisches Finale in Goch – GM Miezis siegt souverän (Oktober 2011)

In den letzten beiden Runden des Gocher Opens wurde die bisherige Spitzengruppe kräftig durchgeschüttelt. Der alleinige Tabellenführer Lev Gutman verließ schließlich verärgert die Bühne , nachdem er gegen Normunds Miezis kapitulieren mußte. Zurück ließ er einen souveränen Turniergewinner, der lediglich 2 Remis zugelassen hatte.

GM Miezis nimmt seinen Sieg gelassen hin.

Der zweite Sieger des Tages war sicherlich IM K.H. Podzielny, der dank einer fulminanten Kraftanstrengung seine zwischenzeitliche Panne vergessen ließ und tatsächlich noch den 2.Platz ergatterte. Bei der Siegerehrung gab es dafür
donnnernden Applaus.

Podzielny auf dem Weg nach oben : Sieg gegen Dirk Pohle

Und auch der französische GM Maze sorgte in der Schlußrunde für Aufsehen. In seiner Partie gegen den jungen Niederländer Beukema zelebrierte er einen Tanz der Leichtfiguren , der die Kiebitze stundenlang in Atem hielt. Nach 29 Zügen war eine Partiestellung entstanden, die zum Verweilen einlud.
In der Folge gelingt es dem Franzosen, seine Leichtfiguren zu einer „Seilschaft“ zusammen zu fügen, die permanent „fiese“ Mattdrohungen aufstellt und gleichzeitig den schwarzen Freibauern bändigt.

1.S4e5  ! Tf8 2.Se7+ Kh8 3.Ld4 Dd1 4.Sf3

nach der Kür folgt nun die Pflicht: Eine mühselige Endspielaufgabe…

…b3 5.f7+ Dxd4 6.Sxd4 b2 7.Le4 Txf7 8.Sec6 Tb7 9.Lb1

 Die weiteren Züge waren (ich hoffe meine Aufzeichnungen sind korrekt): 

… Tb6 10.Se5 Ta6 11.Sef3 Ta1 12.Sd2 Ta6 13.Kg2 Kg8 14.Kf2 Kf7 15.h4 Ta3 16.S4b3 Kf6 17.Se4+ Ke7 18.Sbd2 Ta4 19.Sg5 h6 20.Sgf3 usw.

 Stefan Beukema (NL) Maze (F Sebastien (Fr)

Die weiteren Platzierungen liegen mir noch nicht vor. Folgen in Kürze.
Insgesamt waren es 4 ereignisreiche und harmonische Tage in einem vorzüglichen Ambiente. Das Turnierleiterduo Evers/Van Ooyen war auch diesmal wieder Garant für vorbildliche Organisation und wohltuende Atmosphäre. Für mich persönlich mittlerweile auch ein Ort der Begegnung mit „alten“ Bekannten und auch ehemaligen Vereinskollegen.

Rein sportlich bin ich auf dem besten Weg, meine Ziele zu verwirklichen:
Stagnation statt Resignation!

 

                     Die Preisträger des Gocher Open 2011

weitere Infos beim Veranstalter: http://gocher-open.de/

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Gocher Open – Kastell der guten Hoffnung

Freitag, 30. September 2011

Pickepackevoll ist seit 3 Tagen das „Kastell“ in Goch, wo 151 Schachjunkies bei hochsommerlichen Temperaturen das traditionelle „Gocher Open“ bestreiten. 3 GM (Maze, Miezis, Gutman) 1 IM (Podzielny) und 2 FM ( Gawehns,Hintze) sind die Zugpferde für die reinen Amateure, die in großer Front aufmarschiert sind, und nicht unbedingt gewillt sind, ihr Startgeld nur für die Preisgelder der Profis abzuliefern. Fabian Stotyn , Ranglistenplatz 40) brachte das Kunststück fertig, in der 2.Runde Podzielny zu besiegen. Beflügelt von solcher „Heldentat“ blieb er auch in der 3.Runde siegreich.
Irgendwie scheint auch die allgemeine Hackordnung arg ins Wanken geraten zu sein: ELO-Differenzen von ca 300 Punkten geben keine Sicherheit mehr. In Goch herrscht das Fußvolk, und es lohnt sich, bescheiden zu bleiben, und Umsicht walten zu lassen. Zum Beispiel meine bescheidene Performance:
1.Rde: Mühsames Remis gegen Prieto Velasco Rafael (Rang 109). Während ich noch rätsel, welcher sein Vorname bzw. Nachname ist, entgleitet mir die Partie schon frühzeitig, bis der Spanier auch im Endspiel zeigt, dass mein Ranglistenplatz 33 keinen Peso wert ist.
2.Rde: Mein 9-jähriger Gegner Valentin Buckels(Rang 127) spielt leichtfüßig die Eröffnung herunter, so dass meine anfängliche Annahme ins Wanken gerät, dass hier ein ehrgeiziger Vater seinen (überforderten) Eleven ins Rennen schickt („Mitmachen ist Alles!“) Meine Rückfrage beim Turnierleiter, ob denn das Kind ein“Wunderkind“ sei, bestätigt er. Immerhin – wie ich jetzt weiß – ist er amtierender 4. der Deutschen Jugendmeisterschaft U-10. Mit 1 Sieg und 2 Remis bin ich bisweilen sehr zufrieden, da ich trotz eventueller ELO-Einbußen eine starke Gegnerschaft serviert bekam.
Im Folgenden ein paar Impressionen :

Zum Schluß ein Schnappschuß aus meinem PKW. Ich fahre abends nach Hause, also muß es auch ohne Mittagspause im Hotel gehen.

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Routineüberprüfung in der Lüneburger Heide

Deutsches Senioren Derby in Wesel-Undeloh 2011

Zu einem Erlebnis der besonderen Art wurde das Dt.Senioren-Derby in Wesel-Undeloh, an dem lediglich Spieler vom Jahrgang 1951 teilnehmen durften. Ich wollte eigentlich die Turniertage mit flotten Kommentaren würzen und somit meinen Blog ein wenig mehr auf Touren bringen, doch schon kurz nach meiner Ankunft im Heidedörfchen Wesel erfuhr ich schnell, dass ich mich mit meinen e-plus Gerätschaften in einem Funkloch befand. Da auch das Festnetztelefon in den Hotelzimmern nicht funktionierte und kein Reparateur erschien, packte mich ein erster Anflug von Panik. Das freundliche Hotelpersonal riet mir, die Straße zu überqueren und Richtung Wald zu marschieren.“ Da wird dann bald Funkverbindung sein.“ So wanderte ich schließlich mit Handy und Netbook quer durch die Felder, immer wieder mit neuen Versuchen, die Außenwelt zu erreichen. Doch nix zu machen. Leicht deprimiert zurück zum Auto. Nach einigen Kilometern dann endlich eine Verbindung, die ich nutzte , um kurz mitzuteilen, dass „ich gut angekommen sei!“

Am nächsten Morgen begann das Turnier, das – ich fasse zusammen – wirklich ein einmaliges Erlebnis für mich wurde.Die Gastfreundlichkeit des „Heidelust“-Personals , die Verpflegung und die Turnierbedingungen waren vorbildlich. Nicht zuletzt durch die unermüdlichen Anstrengungen des Tunierleiters Klaus Gohde (82 Jahre !), dessen „Führungsstil“ bei den 58Teilnehmern prächtig ankam, herrschte schon bald eine sehr harmonische Stimmung.Auch ein kompletter Computercrash konnte den Turnierleiter nicht aus der Bahn werfen. Chapeau!

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Deutsches Senioren-Derby 2011

Nach langer Pause melde ich mich mal wieder aus den Niederungen der Schachprovinz. Nein, ich war nicht ernsthaft erkrankt, ich war auch nicht lustlos ( trotz einer erbärmlichen letzten Saison), nein , nein es war lediglich ein Keulenschlag der Natur, der mich  Anfang des Jahres in eine Art Schreibblockade zwang:

Ein Brief vom Deutschen Schachbund war mir ins Haus geflattert, in dem ein freundlicher Herr mir zum bevorstehenden 60.Geburtstag gratulierte.Mit charmanten Worten näherte er sich seinem eigentlichen Anliegen:

"Der Deutsche Schachbund möchte Sie mit einem ganz besonderen Turnier im Kreise der Senioren begrüßen:

Dem 10.DEUTSCHEN SENIOREN-DERBY 2011 "

"Willkommen im Club, au fein, jetzt gehts aber los", dachte ich und erinnerte mich gleichzeitig an ein Interview mit Vlastimil Hort, in dem er sinngemäß sagte, dass er keine Seniorenturniere spielen würde, da es für ihn schon so etwas wie Altersheim bedeute…

Auch wenn bei genauem Hinschauen lediglich die anderen die wirklich alten Säcke sind (ich darf Sartre mal völlig falsch zitieren), so nagt doch allmählich auch an mir das Problem der Restlaufzeit und der Entsorgung.

Mit einem Ruck habe ich dann a tempo die Einladung angenommen, mir eins von den wenigen Einzelzimmern im Gasthaus "Heidelust" reservieren lassen und anschließend meiner Frau von meiner unbändigen Lust auf Urlaub in der Lüneburger Heide erzählt. "Ist dort ein Schachturnier?" fragte sie nüchtern.

Dann habe ich ihr alles erzählt…

Ich muß zugeben, dass ein "Deutsches Senioren-Derby" bei mir Assoziationen weckt, die mehr mit dem Pferdesport verbunden sind als mit dem Klötzchenschieben. 

also schaun wir mal, was WIKI sagt:

 

Das Deutsche Derby wird traditionell am ersten Sonntag des Monats Juli parallel zum Irischen Derby im Hamburger Stadtteil Horn auf der Horner Rennbahn ausgetragen. In England und Frankreich meist im Juni und in den Vereinigten Staaten (Kentucky Derby) schon im Mai.

Die Pferdchen tragen wohl das gleiche Gewicht und sind 3 Jahre alt. Na ja, die Senioren sind halt genau 57 Jahre älter und dürfen dieses Turnier auch nur einmal mitspielen.

Da die Lüneburger Heide – nach meinen bisherigen Erkundungen – auch von vielen Pferdekutschen durchpflügt wird, die heitere Menschen an Bord haben, drängt sich mir auch eine Parallele zu dem "DEUTSCHEN FAHRDERBY" auf, das  zum ersten Mal 1950 ausgetragen wurde.

Im Jahre 1959 kam dieser "Sport" auf unrühmliche Weise in die Schlagzeilen. Der "SPIEGEL" hatte ein Opfer gefunden, das er genüßlich zu Tode ritt…

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Gocher Open mit Rekordteilnehmerzahl

Mit 156 Teilnehmern konnten die Organisatoren W.Evers(re) und W.van Ooyen(li) ihre 21. Ausgabe des GOCHER OPEN mal wieder erfolgreich über die 7 Runden bringen.

Die Architektur des "Kastell" ist wahrlich vortrefflich und eine Wohltat für den Schächer, der Behaglichkeit und Großzügigkeit zu schätzen weiß.

Zum Feld: 4 GM und 2 IM neben einer potenten Horde von ambitionierten Amateuren ließen von Beginn an eine bewegungsreiche Turniertabelle entstehen. In der 6.Runde kam es zum "Showdown" zwischen den Spitzenreitern Schebler und Podzielny. Schebler gewann . Auch Mladenov siegte und zog mit ihm gleich. In der letzten Runde dann die brisanten Paarungen:

Siebrecht (15) – Schebler (16) und :

Podzielny (15) – Mladenov (16).

Schebler remisierte und Podzielny gewann. Potzblitz!

Ich hatte die Ehre, in der 2.Runde gegen ihn (auf der Bühne) zu spielen und seinen Erfolg zu ebnen. Wie ein begossener Pudel schlich ich dann nach etwa 2 Stunden zurück in meinen vertrauten Orchestergraben, wo das Fußvolk in aller Unschuld seinen Amateurstatus zelebrierte. Zu stark war die Schmach, dass der GM meine Gambitvariante 1. e4 c5 2.Sf3 e6 3.b4 behandelte, als wenn ich einen Bauern eingestellt hätte. Staubtrocken ließ er das "Kombinationsgehampel" über sich ergehen und ließ mich einfach verhungern. Anschließend sein Kommentar :" Das war schon nach der Eröffnung kaputt. So etwas darf man nicht spielen!" Wird gemacht. Bin kuriert.Danke!

 

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Rasenschach in Nettetal mit Maradona und Fritz

Das 2.Nettetaler Sparkassen-Open begann am denkwürdigen 3.7. um 14 Uhr, der Tag an dem Argentinien von den Löw-Jungs entzaubert wurde.

Ich mußte gegen einen Vereinskollegen antreten und wählte mit Weiß das Französische Flügelgambit. Insgeheim hoffte ich, bis zum Argentinienspiel … na ja. Die Wunde ist noch frisch. Am nächsten Tag erschien bei SPIEGEL-Online ein Bericht von STEFAN KUZMANY, der mit  äußerst provokanten Fragen garniert war:

"Wo waren Sie, als Deutschland gegen Argentinien gewann? Waren Sie dabei? Haben Sie es erlebt? Gespürt? Sind Sie beim Autokorso betrunken aus dem offenen Schiebedach gepurzelt? Haben Ihren Gegner nach dem Auffahrunfall nicht angezeigt, sondern umarmt? Planen Sie, die Schramme an der Stoßstange nicht zu reparieren, sondern zu konservieren, als Erinnerung an diesen wunderbaren Nachmittag, als vier Tore die Nationalmannschaft ins Halbfinale katapultierten? Hand aufs Herz: Sind Sie eigentlich schon wieder nüchtern?"

Ja ich bin wieder stocknüchtern, sogar richtig ernüchtert. Ich habe das Spiel gegen Argentinien nicht – auch nicht in Ausschnitten  – gesehen. Ich habe stattdessen stundenlang (so lang wie normalerweise eine Fußballübertragung dauert) gegen meinen Vereinskollegen B.S. eine gewinnträchtige Stellung bearbeitet, um gleich zum Auftakt "so richtig ins Turnier zu kommen". Ab und an schaute mich der Kollege fragend an, insbesondere wenn gerade wieder ein kollektiver Aufschrei durch die Mauern des Spielsaals drang. Ich war stur, wollte partout kein "vorschnelles" Remisangebot in meiner Lieblingsvariante über die Lippen bringen.

"Dem Jubel nach müßten wir schon 3 oder 4 Tore geschossen haben", flüsterte ich freundschaftlich übers Brett, nachdem ich  eine "zwingende Gewinnfortsetzung" gesehen hatte. "Na ja, whisperte der Vereinskollege zurück," die Gegentore werden in der Regel nicht so laut kommentiert…"

Es blieb spannend. Meine Bedenkzeit lief schneller als gehofft, die Gewinnwege verzweigten sich und luden zur Entscheidungsschwäche geradezu ein. Ich machte davon Gebrauch und verhaspelte mich so sehr, dass ich plötzlich meinen Läufer eingeklemmt hatte und vor lauter Sorgen kaum noch klar denken konnte. Die fieberhafte Suche nach Rettungsmöglichkeiten endete dann in jämmerlichster Manier. Ich war fassungslos. Im Foyer erfuhr ich das Endergebnis des Fußballfestivals…

Ich setzte mich ins Auto, um möglichst schnell Schland zu durchqueren und mein Privatquartier zu erreichen. Die Heimfahrt geriet zum Triumphzug: Überall schossen VW-Polos und freche Corsas und ähnlich beflaggte Mittelklassenwagen aus den Wohngebieten. Hupkonzerte, nein Hupsirenen aus jeder Stichstraße und grölende Sportsfreunde, die sich sehr weit aus dem (Auto-)Fenster lehnten. Bierflaschen wurden am Straßenrand vorbeifahrenden Fans ins Auto gereicht, die wahrscheinlich mit gezieltem Biß und ausgespucktem Kronkorken während der Fahrt geleert wurden, um den Schwung zu verstärken…

Nachdem ich endlich meinen PC erreicht hatte und die Frage meiner Partnerin, wie ich denn  gespielt habe, knapp und wahrheitsgemäß beantwortet hatte, tippte ich endlich die eigentlich tadellose Partie in die Chessbase -Maschine. FRITZ , den ich als Freund sehr schätze und dessen  Ratschläge ich auch gerne annehme, war wohl über weite Strecken mit mir zufrieden, doch dann machte er sich plötzlich über mich lustig: Kurz vor Schluß, als ich (siehe oben) ob der Sorgen um den verklemmten Läufer schon die Nerven verloren hatte und wenig später aufgab, lachte er laut auf:

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Wir sehen uns in Nettetal

Nach langer Schachpause habe ich einen vortrefflichen Grund gefunden, wieder in den Schachzirkus einzusteigen und zugleich meine Schreibblogblockade aufzubrechen: Mein Heimatverein, für den ich seit einigen Jahren recht erfolglos herumgepatzt habe, lockt mich mit dem 2.Internationalen Nettetaler  Open aus meinem Schneckenhaus.

Es kommt also doch zu einer Neuauflage des von mir geschätzten Turniers, das vor 6 Jahren seine Premiere feierte.Damals lief ich von der 1.Runde dem Glück hinterher, bis alles sich wendete und ich massiv vom Glück verfolgt wurde. Schon Jan Hein Donner hat diese Siege aus verlorener Position als die schönsten bezeichnet, den puristischen Ästheten zum Trotz.

In der 8.Runde wurde ich dem Niederländer Fritz Meyer (ELO 2116) zugeteilt, der schon nach der Eröffnung (als Schwarzer) positionell klar im Vorteil war:

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Norwegian Kids – Hilfe die Carlsens kommen

Das Gocher Open vom 1.10 bis 4.10.09 hatte mit 145 Teilnehmern fast die Rekordmarke erreicht, nicht zuletzt wegen der illustren Schar von ausländischen Spielern. Neben den Stammgästen aus den Niederlanden fanden sich diesmal  etwa ein Dutzend lebenslustige Kids aus Norwegen mit ihren Betreuern ein. 

Sie kamen vom " Toppidrettsgymnas“ in Oslo, einem College für Spitzensportler, dem auch Magnus Carlsen entsprungen ist.Sein Entdecker und Förderer dort war sein Lehrer Simen Agdestein. 

 Nun, in der 2.Runde wurde mir der kleine Sebastian Mihajlov zugelost, der mit einer DWZ von 1256 angereist war, nachdem ich die Startrunde siegreich überstanden hatte. Die Eröffnung spielte der Knirps schnell aus dem Ärmel, allerdings – so schien es mir –   eher aus Ungeduld und Lampenfieber denn aus fundiertem Theoriewissen. Ich fragte mich plötzlich, ob er denn bald die kleine oder große Rochade ausführen würde? "Ach, der kennt wahrscheinlich nur die kleine" – schoß es mir durch den Kopf.Nach weiteren unerwarteten Schnellzügen des Norwegerkinds wuchs meine Unsicherheit. Ich lief in den Flur zu den ausgehängten Ergebnislisten, um zu sehen, gegen wen er seinen Erstrundensieg gelandet hatte. Tatsächlich, ein Schachrecke mit einer ELO von  über 2000 war von ihm besiegt worden. Bei meiner Rückkehr ans Brett servierte der Junior mir noch eine staubtrockene Riposte auf ein"chancenreiches Bauernopfer", das ich blöderweise eingestreut hatte. Wenige Züge später stand ich hoffnungslos platt. Von nun an kletterte Sebastian häufig von seinem Stuhl (er saß etwas verdreht in einer Art Korkenzieherposition), wechselte die Tischseite, stellte sich neben mich und schaute konzentriert "mit den Augen des Gegners" auf die Stellung. "Aha ,"Norwegische Schachschule",  dachte ich so bei mir, so lernen die Kids auch die Schattenseiten des Schachlebens kennen . Mehrmals – mir schien, immer wenn ich gepatzt hatte – wiederholte er diese Art der Ruinenbetrachtung.

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