Manchmal fehlt nur ein Tempo

 Der Verbandsklassenkampf unserer Uedemer Mannschaft gegen St.Tönis am 3.Advent bescherte uns ein Wiedersehen mit altgedienten Recken (Kalkmann , Hilgers), die wie manche von uns noch das  Kloppen auf mechanische Uhren, das Kettenrauchen und „Hängepartien erleben durften. Beim Apres -Echecs schließlich kreisten die Pilsfläschchen harmonisch im Takt der Anekdoten, die unvermeidlich diese Vergangenheit hervorzerrten. Willkommen im Zeitzeugenalter!
Jenseits der Folklore gabs jedoch vorher an fast allen  Brettern ein erbittertes Ringen.
Ausnahme die freundschaftliche Begegnung vonAltmeister Kalkmann gegen Frischrentner Aldenhoven an Brett 3. Sie lehnten jeglichen Waffengang ab und remisierten einträchtig.
Nach etwa 3 Stunden konnte ich die Führung für die St.Töniser erzielen, nachdem ich nach sorgfältigem Spiel und „gutem Gefühl“ in heraufziehender Zeitnot plötzlich die Chance sah, den ersten vollen Punkt für uns zu holen. Ein schrecklicher Rohrkrepierer beendete die vorher so unterhaltsame Partie.
 Hier spielte ich 30.Sxd5 ? und verlor kurze Zeit später. „Du hättest 30.Sxe6 ! spielen sollen“, sagte mir mein Gegner nach der Partie. Nach   30.Sxe6 geht doch …Lxd2?! Und dann 31.Sc5+  Sxc5 32.dxc5  Puh, am PC zeigte mir FRITZ, wie tief der Töniser gerechnet hatte. Rettet sich der schwarze Läufer nach h6, folgt vernichtend 33.Df5+ oder Txa6.
 
Chapeau Monsieur Lauterbach!
Vortrefflich die Vorstellung unseres Holländers Zwikker gegen Basen, der couragiert und raffiniert am Spitzenbrett einen wichtigen halben Punkt beisteuerte. Die Reihen lichteten sich allmählich (Remis spielten  Alois Tack und Gerd Aanstoot , schöner Sieg von Jansen an Brett 8) bis nur noch 2 Partien übrig bleiben. Beim Stand von 3:3 tippelten die Kiebitze hin und her durch den Saal :
Für Markus Hidding war es reiner Wintersport
Markus Hidding ,von starker Erkältung geschüttelt, ruderte plötzlich mit beiden Armen , irgendetwas Wichtiges fehlte ihm?!. Non playing Ersatzmann Thomas Kammann, offensichtlich Körpersprachenkundler, zückte sofort ein Papiertaschentuch und reichte es dem Verzweifelten. Nach diesem TEMPOgewinn baute unser Mann seinen Endspielvorteil deutlich aus und ertrug es auch, dass sein Gegner längere Zeit das Aufgeben versäumte. Am anderen Ende des Saals unser Oldie Rainer Tillmann, der mit seinem Gegner eine hektische Zeitnotorgie veranstaltete, die dem Töniser schließlich einen Mehrbauern bescherte.
Rainer Tillmann sucht seine Züge, die nicht mehr rekonstruierbar sind.
 Doch wer auf die Partieformulare der beiden schaute, sah, dass die letzten Züge von beiden Spielern  nicht notiert worden waren .Was nun? Uhr anhalten, Notation ergänzen ! Pustekuchen! Beide Spieler sahen sich außerstande, die Züge zu rekonstruieren, waren sich jedoch sicher, die 40 Züge absolviert zu haben ! In offener Diskussion zwischen den Spielern und den Umstehenden wurde einstimmig beschlossen, die Partie mit einem 41.Zug fortzusetzen!? Vielleicht sollte man – ähnlich wie beim Fussball – eine Videotechnik einschalten, um zumindest die Zeitnotphase aufzuzeichnen.
Der Töniser gewann schließlich verdient und rettete seiner Mannschaft das 4:4 .
Es war ein Krimi, eine Komödie , eine unterhaltsame Begegnung mit sympathischen Gästen!
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