Schach ist ein Boxkampf (25.Oktober 2011)

Es war nicht zu verhindern:Bei der Pressekonferenz im Vorfeld des Box-WM-Kampfes Wladimir Klitschko gegen den Franzosen  Jean Marc Mormeck holte der Ukrainer mal wieder sein Schachbrett aus der Sporttasche. Das unvermeidliche „Boxing is a chessgame“ diente mal wieder als knallharte Ouverture, um dem Außenseiter seine Chancenlosigkeit einzubläuen.
Der Weltmeister erläuterte kurz seine Absichten:“ Wie ein Schachspieler habe ich einen Plan A,B,C,oder D. Es gibt Taktik und Strategie und am Ende werde ich dich mattsetzen.“ Diese intellektuelle Keule zieht immer bei den Medien, vor allem in Verbindung mit dem Doktortitel des Ukrainers. Ich muß hier nicht wiederholen, wie erbärmlich  die Schachkenntnisse beider Klitschkos in Wirklichkeit sind. Schön illustriert bei Jörg Seidel (König Plauen):
http://www.koenig-plauen.de/Metachess/Polemik/promis.php
Die bis zum Erbrechen konstruierten Paralellen zwischen Schach und Boxen reduzieren sich wohl nur auf das Schlagen von
Figuren und auf die Unübersichtlichkeit der WM-Titelkampf-Modalitäten.
Echte Gemeinsamkeiten wären nicht schlecht:

1. Das Hineinschreien (Vorsagen) von Trainern, Betreuern, aufgebrachten Fans etc könnte manches Leichtgewicht beflügeln …oder restlos demoralisieren. Der Schachspieler bleibt jedoch einsam und seinen eigenen Fehlern überlassen.

2. Partieunterbrechungen nach 3 Minuten mit Trainerbesprechung und Aufmunterung sind beim Schach bisher selten vorgekommen.

3. Kein Schachspieler, der kurz vorm Matt steht, wird angezählt oder auch, wenn die Partie hoffnungslos erscheint, vom Schiedsrichter vom Tisch gezerrt .( und dabei heftig umklammert,damit der Arme nicht doch noch die Partie fortzusetzen versucht.

4. Kein Betreuer darf von seiner Schachecke aus, den König für seinen Schützling umwerfen, um den aussichtslosen Kampf zu beenden.

5. Nach der regulären Spielzeit wird der Kampf beendet, und die 3 Kampfrichter füllen ihre Spielberichtskarten aus und verteilen anschließend ihre jeweiligen Punkte.Der Ringrichter verliest dann das Endergebnis, was manchmal zu Tumulten führt.

Wünschenswert wäre es auch, das Schachspiel aus dem feingeistigen bildungsbürgerlichen Milieu herauszuholen, um auch das gewöhnliche Bürgertum für diese faszinierend – brutale Sportart zu begeistern .
Erste Ansätze scheinen schon sichtbar: Blitzturniere auf der Reeperbahn („Auf der Reeperbahn Schach um halb eins“).
Es fehlen auch noch echte Promoter (Don King ?!), Schachställe und bessere Vermarktungsstrategien.
Die beliebten Matadore der Schachboxer läuten diese neue Zeit schon eindrucksvoll ein. Mit Kramnik („Schach ist wie Boxen“) und W. Klitschko (“ Boxen ist wie Schach“) ist das „königliche Spiel“ auf dem besten Weg , eins auf die Fresse zu kriegen.

Wer immer die Klitschkos in die Geheimnisse des Schachspiels eingeführt hat, bleibt deren Geheimnis. Ich vermute, dass  es die bekannten DDR- Trainer Herricht und Preil waren.

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