Vor 50 Jahren – Max Euwe und Wolfgang Unzicker in Düsseldorf
Anläßlich des 50 jährigen Jubiläums der DSG Rochade 25 konnten die Schachfreunde zwei legendäre Hochkaräter in Düsseldorf erleben:
Exweltmeister Prof. Max Euwe und den besten deutschen Großmeister Wolfgang Unzicker.
Vor einigen Tagen wurde ich daran erinnert, als mir eine Festschrift des Vereins in die Hand fiel, die zwischen diversen Schachzeitungen auftauchte:
50 Jahre Düsseldorfer Schach-Gesellschaft ROCHADE 25
Hoppla, da sah ich auf einmal auf dem Deckblatt , dass die beiden Schachlegenden ihre Autogramme hinterlassen hatten. Nachträglich ein knabenhafter Stolz stieg in mir auf…Gleichzeitig fühlte ich mich verdammt alt.
Eigenartigerweise fand ich im Internet keinerlei Hinweise auf dieses Event.
Das freiwillige Tragen einer Maske ist allerdings ungewöhnlich, jedoch nicht verboten.Das Brettspiel lebt nicht nur von den Zügen, sondern auch von den mannigfaltigen Gefühlsmomenten, die den Spielern oftmals anzusehen sind. Das reine „Pokerface“ ist mir selten begegnet. Da hilft doch eine entsprechende Maske.
Meine Maske soll dem Gegner signalisieren, dass ich kein Selbstvertrauen habe, leicht deprimiert und ängstlich agiere. In Wirklichkeit möchte ich meine Zuversicht, Heiterkeit und Spielfreude kaschieren.
So lautete das Stück, das Helmut Krausser vor 20 Jahren geschrieben hatte. Es wurde als Hörspiel 2005 gesendet. Chessbase hat damals einen Artikel dazu geschrieben, den ich hiermit gern empfehle:
Leider konnte ich – vielleicht nicht als einziger – lange Zeit nicht mehr das Hörspiel ausfindig machen. Mehr durch Zufall fand ich nun einen Link. Zartbesaitete Schachfreaks mögen nicht erschrecken . Es ist ein ungefiltertes hochneurotisches Selbstgespräch:
Seit fast unglaublichen 60 Jahren spiele ich Schach. Dabei geht es mir im Vergleich zu anderen Schachsenioren noch einigermaßen gut. Der sportliche Abstieg jedoch ähnelt einem stetigen Verkalkungsprozess, einhergehend mit leichtem Frust und doch auch seltsamen Nostalgieschueben.Ja früher war fast alles besser, vor allem die INGO – DWZ – und ELO Zahlen.Was tun? Aufhören ? (wenn es am schlimmsten ist?) Nein! Und nochmal Nein!
Sanft entschlossen probierte ich zeitweise , die von mir gewohnten Eröffnungssysteme abzulegen, vor allem die risikobehafteten Gambits. Traue meinem Gedächtnis nicht mehr gänzlich und verliere neuerdings den roten Faden und natürlich auch die Partie. Deprimierend auch der Versuch, mich in ein Doppelfianchetto einzunisten und auf Fehler des Gegners zu warten.Die alten Rezepte will ich über Bord werfen und schicke mich an, ein ziemlich skurriles Eröffnungssystem (mit Weiß) als Rettungsmöglichkeit auszuprobieren.
Letzte Woche die Generalprobe: Ich betrat den Spielsaal , setzte mich an Tisch 2, schraubte – mittlerweile nicht nur bei Profis Gewohnheit – die weißen Figuren schön einzeln in ihre Felder.
Kleiner Rundgang , Smalltalk und freundliche Witzeleien. In Gedanken schwankte ich noch ein wenig , wie ich tatsächlich eröffnen sollte, zumal mein Gegner recht spielstark ist. Zurück zu meinem Brett. Ich sehe plötzlich an der gegenüberliegenden Wand ein imposantes Bild , leicht links von unserem Brett.
Welch ein Zeichen an der Wand! Also mit leicht geschwellter Brust: 1. Sc3 !
Tatsächlich kam ich gut in den Parcours und fühlte mich leicht beschwingt.Doch allmählich wurden die Hindernisse immer anspruchsvoller. Ich drohte zu stürzen, konnte mich dann doch noch knapp im Sattel halten. Glückliches Remis!